Synagogen in Ostereich / Synagogues in Austria


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IKG Innsbruck

 

Sillgasse 15

 

Erbaut

Built

1910

Letzter Rabbiner

Last Rabbi

Dr. Elimelech Rimalt

Erste Erwähnung der Gemeinde

First Mention of the Community

1870

Kompetenzbereich

Area of Competence

Tirol und Voralberg (seit 1914)

Tyrol and Voralberg (since 1914)

Anzahl der Gemeindemitglieder

Number of Community Members

Tirol/Tyrol

1850-90

1880-109

1914-130

1920-225

1932-400

März/March 1938-200

November 1938-130

Pogromnacht

Pogrom Night

Zerstört

Destroyed

1938-1945

 

Als Magazin missbraucht

 

Heute

Today

1991 Errichtung eines neuen Bethauses

Erection of a new Synagogue 1991

 

Seit dem 13. Jahrhundert ist jüdisches Leben in Tirol belegt. Mittelalterliche Gemeinden existierten in Innsbruck, Bozen, Brixen, Lienz und Trient; ihre Mitgliederzahlen blieben jedoch gering. 1520 wurden alle Juden aus Tirol ausgewiesen. Im Gegensatz zu der Lage in den meisten österreichischen Ländern wurde es Juden in Tirol zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert zeitweise gestattet, sich niederzulassen. Nichtsdestoweniger fielen sie Verfolgungen und Stigmatisierungen zum Opfer. Es ist belegt, dass im 17. und 18. Jahrhundert die kleine jüdische Gemeinde in Innsbruck sich in dem Haus der Familie May in der Sailergasse 16 zum gemeinsamen Gebet zusammenfand.

In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts siedelten sich mehrere jüdische Familien aus Wien, Böhmen, Ungarn und Galizien in Innsbruck an. Wie auch im gesamten Gebiet Tirols blieb ihre Zahl relativ klein. Von 1890 an wurde die Innsbrucker Gemeinde von der Israelitischen Kultusgemeinde Hohenems in Vorarlberg mitverwaltet, der Landesrabbiner Dr. Josef Link vorstand. 1898 konnten die Juden in Tirol eine eigene Kultuskommission einrichten, die eine Filiale in Innsbruck und eine in Meran unterhielt.

Die Innsbrucker Gemeinde hielt ihre Gebete von 1900 bis 1907 in dem Bethaus in der Ainichstrasse 5a, im sogenannten “Stöcklgebäude” des Brüllhauses, ab. 1910 etwa wurde eine Synagoge, aus einem grossen Zimmer bestehend, im Hof des Hauses Sillgasse 15 errichtet. Das Grundstück war im Besitz von Wilhelm Dannhauser, dem ersten Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Innsbruck. Zu den Hohen Feiertagen kamen auch Juden aus den ländlichen Gebieten Tirols, wie Lienz, Landeck, Wörgl oder Hall, nach Innsbruck. Der Gottesdienst wurde zu diesen Anlässen in dem grossen Gesellschaftssaal des Musikverbandes abgehalten. Am Innsbrucker Westfriedhof wurde eine jüdische Abteilung eingerichtet.

1914 wurde der Gründung einer eigenständigen Kultusgemeinde in Innsbruck stattgegeben, woraufhin das Rabbinat für die Gebiete Tirol und Vorarlberg nach Innsbruck zog. Rabbiner Dr. Josef Link betreute die Kultusgemeinde bis zu seinem Tod im Jahr 1932.

In Innsbruck entwickelte sich ein reges jüdisches Vereinsleben: eine Chewra Kadischa, Frauenvereine, der jüdische Sportclub “Hakoah” und ein Schachklub wurden gegründet. Es entstand auch eine Ortsgruppe des Bundes jüdischer Frontsoldaten. 1919 konstituierte sich die zionistische Jugendgruppe “Blau-Weiss”, die bis 1925 bestand. Bereits 1924 wanderten die ersten Juden nach Palästina aus. Anfang der Dreissiger Jahre wurde in Innsbruck eine Betar-Gruppe ins Leben gerufen, die Jugendliche über 14 Jahren zum Zionismus erzog. Rabbiner Dr. Elimelech Rimalt leitete eine weitere zionistische Gruppe, “Maccabi Hazair”, der Kinder unter 14 Jahren angehörten. Rimalt hatte 1932 das Amt des Rabbiners übernommen und betreute die Gemeinde bis zu deren Zerstörung 1938.

In der Zwischenkriegszeit nahmen antisemitische Propaganda und Angriffe auf die jüdische Bevölkerung immer mehr zu, so dass viele Tiroler Juden nach Wien oder ins Ausland zogen. Im Sommer 1938 wurden polnische, russische und tschechische Juden, die sich in Österreich niedergelassen hatten, ausgewiesen. Im Herbst 1938 musste sich die Israelitische Kultusgemeinde Innsbruck auflösen; das Bankkonto der Gemeinde wurde konfisziert. Während der Hohen Feiertage im Jahr 1938 fanden die letzten gemeinsamen Gebete in der Synagoge in der Sillgasse statt.

In der Progromnacht am 10. November 1938 zertrümmerten SS-Angehörige das Bethaus. Die Torah-Rollen wurden verschmutzt und beschädigt. Drei prominente Mitglieder der Gemeinde wurden brutal ermordet: der Vorsitzende der Kultusgemeinde Richard Berger, der Direktor der Jüdischen Handelsgesellschaft Dr. Wilhelm Bauer und Richard Graubart. Weitere sich noch in Innsbruck befindliche Juden wurden in ihren Häusern überfallen und misshandelt. Ihre Wohnungen und Geschäfte wurden geplündert. Während des November-Pogroms wurden 18 jüdische Männer verhaftet. Zwei Ehepaare wurden in den Fluss Sill geworfen. Beiden gelang es, sich an das Ufer zu retten.

Nach der Pogromnacht besichtigten zwei Mitglieder der jüdischen Gemeinde, die nicht verhaftet wurden, die zerstörte Synagoge, sammelten die geschändeten Torah-Rollen auf und übergaben sie Emigranten nach Palästina und in die USA. Das ehemalige Bethaus wurde später von der Hitlerjugend als Magazin verwendet. Am 19. November 1938 erliess die Gestapo den Befehl, dass alle Juden Tirol verlassen müssten. Sie wurden nach Wien und von dort in die Konzentrationslager deportiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten einige jüdische Familien nach Innsbruck zurück und gründeten eine kleine Gemeinde, die um 1961 einen Betsaal in der Zollerstrasse 1 einrichtete. 1991 wurde in der Sillgasse 15, dem Standort der ehemaligen Synagoge, ein neues Bethaus, im Erdgeschoss eines Wohn- und Geschäftshauses, errichtet. 1998 konnte die Israelitische Kultusgemeinde Innsbruck, die für die Bundesländer Tirol und Vorarlberg zuständig ist, 40 Mitglieder verzeichnen.

Literatur:

-   Genée, Pierre, Synagogen in Österreich, Wien, 1992

-   Rimalt, Elimelech S.: ‘The Jews of Tyrol’ in: The Jews of Austria: Essays on their Life, History and Destruction, J. Fraenkel, London, 1967

-   Sella, Gad Hugo: Die Juden Tirols, Tel Aviv, 1979

-   Maislinger, Andreas: “Die Verletzung wirkte sofort tödlich”, in Tribüne, 27. Jahrgang., Heft 107, 1988  

-   Maislinger, Andreas /G. Pallaver: ‘Antisemitismus ohne Juden. Das Beispiel Tirol’ in: Plat, W. (Hrsg.): Voll Leben und voll Tod ist diese Erde, Wien, 1988

-   Köfler, G.: ‘Tirol und die Juden’ in: , Albrich, Thomas / K. Eisterer/ R. Steininger: Tirol und der Anschluss, Innsbruck, 1988. 

-   Rosenkranz, Herbert: “Der Novemberpogrom 1938 in Innsbruck”, in Leo Baeck Institute Bulletin, 81, 1988

 

 

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