Synagogen in Ostereich / Synagogues in Austria


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IKG Hohenems

 

Schweizer Strasse

 

                                                             um 1900                                                   

 

Erbaut

Built

1770-1772

Letzter Rabbiner

Last Rabbi

Dr. Josef Link

Erste Erwähnung der Gemeinde

First Mention of the Community

1632

Kompetenzbereich

Area of Competence

Voralberg und Tirol (bis 1914)

Voralberg and Tyrol (until 1914)

Anzahl der Gemeindemitglieder

Number of Community Members

1632-30 Familien/families

1773-277

1816-500

1867-271

1891-ca. 135

1910-66

1935-16

1937-48

1938-27

Pogromnacht

Pogrom Night

Beschädigt

Desecrated

1938-1945

 

Stand leer

Vacant

Nach 1945

After 1945

1953-2001 Feuerwehrhaus

1953-2001 Fire Brigade Building

Heute

Today

Umbau; 2004 Eröffnung eines Kultur- und Veranstaltungsorts

 

Im Jahr 1617 gestattete der Hohenemser Graf Kaspar Juden erstmalig sich in seiner Grafschaft anzusiedeln. Mehrere Familien nahmen die Gelegenheit wahr und liessen sich in Hohenems nieder. 1632 entstand eine jüdische Gemeinde, die 1642 eine Synagoge einrichtete. Dabei handelte es sich wahrscheinlich um eine Betstube im Haus eines der wohlhabenderen Juden. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurde die Gemeinde zweimal (1663 und 1676) aus Hohenems ausgewiesen und anschliessend wieder aufgenommen. Im Gegensatz zu den anderen österreichischen Ländern existierte in Voralberg eine jüdische Gemeinde fast kontinuierlich von 1632 bis 1938. Diese war jedoch zeitweise zahlreichen Unterdrückungsmassnahmen ausgesetzt. So durften sich im 18. Jahrhundert Juden in Hohenems nur in dem Viertel “am Bach” zwischen dem Emsbach und der Christengasse ansiedeln.

In den Jahren 1770-1772 wurde in der Schweizer Strasse eine grosse Synagoge erbaut. Das beeindruckende Gebäude, ein Steinbau im spätbarock-klassizistischen Stil, wurde nach den Plänen des Barockbaumeisters Peter Bein errichtet und 1772 vom damaligen Rabbiner Löb Ullmann eingeweiht. Das Gebäude umfasste den Betsaal, einen Vorraum, ein Schtibl (kleine Betstube) sowie wahrscheinlich eine Mikwe. Der Zentralraum der Synagoge bot Sitzplätze für 76 Männer. Zwischen 1863 und 1867 nahm der Schweizer Architekt Felix Wilhelm Kubly bauliche Veränderungen an der Synagoge vor. Das Gebäude wurde durch einen Turm, der mit dem Davidstern gekrönt war, erweitert. Auch der Aron Hakodesch wurde neu gestaltet. Im Süden der Stadt richtete die Gemeinde am Fuß eines Waldhanges einen Friedhof ein.

                             1772

Der berühmteste Sohn der jüdischen Gemeinde Hohenems war der 1804 geborene Komponist Salomon Sulzer. Sulzer wirkte als Kantor zuerst in Hohenems sowie später in Wien und erneuerte den kantoralen Gesang. “Schir Zion” (Das Lied Zions), das von Sulzer verfasste Gesangbuch, errang internationalen Ruhm. Zum Rabbiner wurde 1833 Abraham Kohn bestellt, der in Hohenems wirkte, bis er 1844 nach Lemberg berufen wurde.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts verliessen nach und nach viele Juden Hohenems. Die Gründung der Israelitischen Kultusgemeinde im nahen St. Gallen im Jahr 1866 sowie breitere Entfaltungsmöglichkeiten in größeren Städten trugen zur Abwanderung aus dem ländlichen Hohenems bei. Auch das im Staatsgrundgesetz von 1867 der jüdischen Bevölkerung verbürgte Recht, sich in allen Teilen der Monarchie niederzulassen, veranlasste viele Juden, sich in den Städten anzusiedeln.

Seit Anfang der 1850er Jahre war die Hohenemser jüdische Gemeinde politisch autonom und besass seit 1850 mit Philipp Rosenthal einen eigenen Bürgermeister. In den Siebziger Jahren erstrebte die Gemeinde jedoch ihre Eingliederung in die Hohenemser Gesamtgemeinde. Trotz erheblicher Bedenken vieler Hohenemser Politiker und Bürger wurde der Antrag schliesslich per Gerichtsbeschluss durchgesetzt. Von 1878 an war die jüdische Gemeinde somit nur noch eine Kultusgemeinde, die ab 1890 auch die Innsbrucker jüdische Gemeinde mitverwaltete. 1896 wurde Aron Tänzer zum Rabbiner nach Hohenems berufen und wirkte in der Gemeinde bis 1905. 1908 übernahm Dr. Josef Link das Rabbineramt. Als der Rabbinatsitz für Vorarlberg und Tirol 1914 von Hohenems nach Innsbruck verlegt wurde, übersiedelte Rabbiner Link nach Innsbruck.

Die Feindlichkeit der Hohenemser Christen gegenüber den Juden, die bei dem Antrag der jüdischen Gemeinde zur Eingliederung in die Gesamtgemeinde, dem sogenannten Hohenemser “Inkorporierungsstreit”, deutlich wurde, uferte in radikale antisemitische Ausschreitungen aus. Trotzdem stieg die Mitgliederzahl der Hohenemser Gemeinde nach 1933 aufgrund der Emigration deutscher Juden noch einmal an.

In der Pogromnacht zum 10. November 1938 wurden die Fenster der Hohenemser Synagoge eingeworfen. Der Aron Hakodesch und die Torahrollen wurden entwendet. Die Nationalsozialisten planten, das Bethaus in Brand zu stecken, liessen aber letztendlich davon ab, entweder um umliegende Häuser nicht zu gefährden oder um das Gebäude für andere Zwecke nutzen zu können. Die nationalsozialistischen Machthaber enteigneten die ehemalige Synagoge und die Kultusgemeinde wurde 1940 zwangsaufgelöst. Ihre Mitglieder wurden nach Wien und von dort in die Konzentrationslager deportiert. Das Synagogen-Gebäude wurde ausgeräumt und stand, soweit uns bekannt ist, während des Zweiten Weltkrieges leer.

1945, unmittelbar nach ihrer Befreiung aus den Konzentrationslagern, gelangten Tausende Juden nach Vorarlberg. Die in DP-Camps untergebrachten Flüchtlinge entwickelten sofort ein reges Gemeindeleben und errichteten provisorische Synagogen und Jeschiwot. Mit der Abwanderung der DPs endete auch das kurz aufgeblühte Gemeindeleben.

Nach dem Krieg wurde die ehemalige Synagoge an die Israelitische Kultusgemeinde Innsbruck rückgestellt. 1953 erwarb die Stadt Hohenems den Bau und baute es zu einem Feuerwehrgerätehaus um. Seit 1991 erinnerte eine Gedenktafel an die ursprüngliche Nutzung des Gebäudes. Im Jahr 2001, als die Feuerwehr umzog, wurde das Gebäude umgebaut und soll wieder an seine ursprüngliche Nutzung erinnern. Im Oktober 2004 wurde ein Kultur- und Veranstaltungsort und eine Musikschule in dem Gebäude eröffnet.

               

 

In Hohenems gibt es bis heute einen pittoresken Waldfriedhof, in dem die letzte Beisetzung in den Siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts stattfand. Hohenems wird heutzutage von der Israelitischen Kultusgemeinde für Tirol und Voralberg mit Sitz in Innsbruck betreut.

Seit 1991 besteht das Jüdische Museum Hohenems, das in der Villa Rosenthal untergebracht ist.

 

Literatur:

-   Genée, Pierre, Synagogen in Österreich, Wien, 1992

-   Inama, Johannes (Hrsg.), Ein Viertel Stadt, Schriften des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck und des Jüdischen Museums Hohenems, Innsbruck, 1997

-   Grabherr, Eva (Hrsg.), Juden in Hohenems, Hohenems, 1996

-   Sella, Gad Hugo, Die Juden Tirols, Tel Aviv, 1979

-   Webseite des Jüdischen Museums Hohenems: www.jm-hohenems.at

 

 

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