Synagogen in Ostereich / Synagogues in Austria


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IKG Klagenfurt

 

Platzgasse 3

 

 1925

 

Eingeweiht

Inaugurated

1905

Letzter Rabbiner

Last Rabbi

Dr. Joseph Babad

Erste Erwähnung der Gemeinde

First Mention of the Community

1869

Zuständigkeitsbereich

Area of Competence

Kärnten

Carinthia

Anzahl der Gemeindemitglieder

Number of Community Members

1869-16

1880-90

1899-126

1934-180

1938-116

1938-311(Kultusgemeinde)

Pogromnacht

Pogrom Night

Verwüstet

Devastated

Nach 1945

After 1945

1961 an IKG Graz rückgestellt, verkauft und später abgerissen

1961 restituted to IKG Graz, sold and later pulled down

Heute

Today

Gedenkstein

Memorial

In dem Gebiet, das dem heutigen Land Kärnten entspricht, liessen sich die ersten jüdischen Familien bereits im 12. Jahrhundert nieder. Um 1124 wird ein “Judendorf” urkundlich erwähnt, das sich zwei Kilometer nördlich von Friesach befunden haben soll. In Völkermarkt lebten seit dem frühen 12. Jahrhundert Juden; für das Jahr 1422 ist eine Synagoge urkundlich nachgewiesen, die sich auf dem Areal des heutigen Bezirksgerichtes befunden haben soll. In St. Veit an der Glan und in Villach hatten sich seit der Mitte des 13. Jahrhunderts Juden angesiedelt. 1496 wurden jedoch alle Juden aus Kärnten ausgewiesen. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war ihnen das Siedlungsrecht in Kärnten verwehrt.

In den 1870er und 1880er Jahren liess sich eine grössere Anzahl von Juden in Kärnten nieder. In der Hauptstadt Klagenfurt siedelten sich 1885 die ersten jüdischen Familien an. Ein Jahr später gründeten Gemeindemitglieder den „Israelitischen Cultusverein“. Da das 1890 von der kaiserlichen Regierung verabschiedete Israelitengesetz verlangte, dass alle jüdischen Gemeinden einer formalen Kultusgemeinde angehörten, traten die Kärntner Juden für die Schaffung einer selbständigen Kultusgemeinde mit dem Sitz in Klagenfurt ein. Doch aufgrund einer zu geringen Mitgliederzahl wurden die Juden in Kärnten mit Erlass vom 18.3.1893 der „Israelitischen Kultusgemeinde Graz“ unterstellt. Das Zentrum des Gemeindelebens der Kärntner Juden bildete die 1888 gegründete Klagenfurter Chewra Kadischa. 1895 eröffnete die jüdische Gemeinde einen Friedhof in dem Stadtteil St. Ruprecht, der heute noch existiert. Nachdem mehrere gemietete Lokale in Klagenfurt als Synagoge gedient hatten, richtete 1905 die Chewra Kadischa das Gebäude in der Platzgasse Nr. 3 als Bethaus und Vereinslokal ein. Auch der Religionsunterricht für die jüdischen Kinder fand in diesem Haus statt.

 1925

Nachdem der Vorstand der Chewra Kadischa sich kontinuierlich für die Etablierung einer eigenständigen Kultusgemeinde eingesetzt hatte, wurde einem ensprechenden Antrag am 1. Januar 1923 schliesslich stattgegeben und die formelle Konstituierung der „Israelitischen Kultusgemeinde Klagenfurt“ erfolgte. Als Rabbiner wurde der bis dahin in Mistelbach tätige Ignaz Hauser angestellt. Ihm folgte 1934 der aus Galizien stammende Dr. Joseph Babad, die die Kultusgemeinde bis 1938 betreute. Babad verfasste mehrere historische Artikel, u.a. einen Beitrag zur Geschichte der Kärntner Juden. In den 1920er Jahren verbreitete sich auch unter den Kärntner Juden zionistisches Gedankengut. 1929 konstituierte sich die Ortsgruppe Klagenfurt des Zionistischen Landesverbandes für Österreich und 1935 die „Women‘s International Zionist Organisation“. Im gleichen Jahr wurde eine Ortsgruppe des „Bundes jüdischer Frontsoldaten“ gegründet.

Nach der Machtergreifung der Nazis in Österreich wurden auch in Kärnten die öffentliche Demütigung und Misshandlung der jüdischen Bevölkerung legalisiert. Die Nürnberger Rassengesetze bildeten lange vor ihrer offiziellen Einführung in Österreich im Mai 1938 die Grundlage für zahlreiche behördliche Verfügungen, wie die Entlassung jüdischer Beamter. Durch Berufsverbote und die Sperre aller Sparkonten und Vermögenswerte wurden Juden aus dem Wirtschaftsleben verdrängt, zum Verkauf ihrer Besitzes gezwungen und im Falle ihrer Emigration, die den meisten Juden aus Kärnten gelang, systematisch ausgeplündert. Die Enteignung der jüdischen Betriebe und Geschäfte in Kärnten war im Verlauf des Jahres 1938 bereits grösstenteils abgeschlossen. In der Pogromnacht am 10. November 1938 verwüsteten organisierte Schlägertrupps, grossteils aus Angehörigen der SA und SS bestehend, das jüdische Bethaus in der Platzgasse. Das Innere der Synagoge wurde völlig zerstört: leichtere Möbel wurden auf die Strasse geworfen, die restliche Inneneinrichtung wurde zerschlagen. Auch wurden nahezu alle Wohnungen und Geschäfte jüdischer Besitzer in Kärnten verwüstet. Juden, die nicht geflohen waren, wurden verhaftet und in die Konzentrationslager deportiert.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Klagenfurter Synagoge durch Bombenangriffe nochmals schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte eine kleine Zahl von Juden in das Land Kärnten zurück, das der Israelitischen Kultusgemeinde Graz angeschlossen ist. 1961 wurde das schwerbeschädigte Gebäude der ehemaligen Synagoge an die IKG Graz zurückgestellt, die es 1963 an eine Privatperson verkaufte. Später wurde das Gebäude abgerissen. Auf dem Grundstück der ehemaligen Synagoge wurde 1988 ein Gedenkstein aufgestellt.

Literatur:

- Genée, Pierre, Synagogen in Österreich, Wien, 1992

- David, Jüdische Kulturzeitschrift in Österreich

- Wadl, W./Ogris, A., Das Jahr 1938 in Kärnten und seine Vorgeschichte, Klagenfurt, 1988

- Wadl, W., ‘Die israelitischen Kultusgemeinden Graz und Klagenfurt’ in Lohrmann, K. (Hrsg.),  

  1000 Jahre Österreichisches Judentum, 1982

- Encyclopedia Judaica 

- Walzl, A., Die Juden in Kärnten und das Dritte Reich, Klagenfurt, 1987

- Lauritsch, Andrea, Wo ist dein Bruder? Novemberpogrom 1938 in Kärnten in 
 Zeitschrift „alpe-adria
" 4/94, Villach 1998

- Walzl, A., ‘Judenfrei-slowenenfrei? Die Kärntner Juden und der Anschluss’ Malle, A./Sima, V. (Hrsg.), Der “Anschluss” und die Minderheiten in Österreich, Klagenfurt, 1989

 

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