Synagogen in Ostereich / Synagogues in Austria


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IKG Salzburg

 

Lasserstrasse 8

 

1893

 

Erbaut

Built

1893

Letzter Rabbiner

Last Rabbi

Samuel David Margules

Erste Erwähnung der Gemeinde

First Mention of the Community

1867

Kompetenzbereich

Area of Competence

Land Salzburg

Anzahl der Gemeindemitglieder

Number of Community Members

1869-42

1890-157

1910-285

1932-240

1938-232

Pogromnacht

Pogrom Night

zerstört

destroyed

1938-1945

 

Als Depot missbraucht

 

Heute

Today

1968 wiedererrichtet

rebuilt 1968

 

Im Land Salzburg wurden Ansiedlungen von Juden seit dem 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt. In der Stadt Salzburg richtete die jüdische Gemeinde vor 1349 eine Synagoge in der damaligen Judengasse 15 ein- auf der Stelle, auf dem sich heute das Hotel Radisson befindet. 1404 wurde fast die gesamte jüdische Bevölkerung Salzburgs und Halleins unter Beschuldigung des Hostienfrevels und des Ritualmordes auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Um 1429 liessen sich wieder Juden in Salzburg nieder und richteten eine Synagoge am heutigen Kranzlmarkt 2 ein. In Hallein befand sich die Synagoge am heutigen Josef Schöndorfer-Platz. 1498 wurden alle Juden aus dem Land Salzburg vertrieben und ihnen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Niederlassung in dieser Region verwehrt.

1867 wurde dem Niederlassungsgesuch des ersten jüdischen Zuwanderers- Albert Pollak- stattgegeben. Pollak eröffnete in Salzburg einen Antiquitätenhandel. Noch im gleichen Jahr folgten ihm Verwandte und Bekannte aus dem heutigen Burgenland und Tschechien nach Salzburg. Einige Juden liessen sich auch in Gugenthal, Parsch, Bürmoos, Neumarkt und Badgastein nieder. Pollak war sehr aktiv in der kleinen Salzburger jüdischen Gemeinde und organisierte die ersten Zusammenkünfte. Anfangs stellte er dem Minjan eine Thorarolle für die gemeinsamen Gebete zur Verfügung; später erwarb dann die Gemeinde ihr eigenes Sefer Thora. Nachdem ursprünglich Gemeindemitglieder Zimmer ihrer Privatwohnungen als Gebetsstätte zur Verfügung gestellt hatten, wurden von der Gemeinde verschiedene Lokale angemietet. Als Betstätten dienten Räume im Sternbräugebäude in der Griesgasse, in dem Haus Linzergasse Nr. 6 sowie im sogenannten Schiesslerhaus in der Getreidegasse. In den achtziger Jahren gab es die ersten Bemühungen zur Errichtung einer Synagoge in Salzburg. Zu diesem Zweck wurde ein Tempelbau-Komitee ins Leben gerufen, das durch Anleihen und die Vergabe von Anteilscheinen unter den Salzburger Juden sowie durch Spenden aus der jüdischen Öffentlichkeit die Mittel zum Bau einer Synagoge aufbrachte. Zum jüdischen Neujahrsfest im Jahr 1893 wurde das schlichte Bethaus in der Lasserstrasse 8 eingeweiht. Die einschiffige von der Strasse zurückversetzte Synagoge wurde nach den Plänen des Baurats Gottlieb Winkler im Neorenaissance-Stil errichtet. Die Eingänge und Fenster waren im Rundbogenstil gestaltet und die Fassade war durch Pilaster unterteilt. Die gemeinsamen Gebete wurden gemäss dem Mannheimer-Ritus durchgeführt. Im Laufe der nächsten Jahre wurde die Synagoge von aussen und von innen verschönert. Der 1899 gegründete karitative “Israelitische Frauenverein”, der sich in seinen Statuten die Ausschmückung des Bethauses zur Aufgabe stellte, trug in besonderem Maße dazu bei. Neben der Synagoge in Salzburg gab es noch in Hallein ein Bethaus.

1892 erwarb die jüdische Gemeinde ein Grundstück in der damals selbständigen Gemeinde Aigen, um ihren eigenen Friedhof zu errichten. Zur Aufrechterhaltung der Begräbnisstätte gründeten 16 Gemeindemitglieder eine Ortsgruppe des Kranken-Unterstützungs- und Beerdigungsvereines “Chewra Kadischa”. Obwohl die Salzburger Landesregierung 1869 die numerisch schwache jüdische Gemeinde in Salzburg der Israelitischen Kultusgemeinde Linz zugewiesen hatte, hatten sich die Salzburger Juden seit den achtziger Jahren für die Gründung einer eigenständigen Kultusgemeinde eingesetzt. Bis zur ihrer Selbständigkeit im Jahr 1911 waren folgende Rabbiner bzw. Religionslehrer in Salzburg tätig: Dr. Moses Bach (1897/98), Dr. Jakob Drobinsky (1998/99), Dr. Johann Krängel (1901-1903), Wilhelm Pollak (1903-1907) und bis 1914 Dr. Adolf Altmann. 1911 waren die Einrichtungen der Salzburger jüdischen Gemeinde schliesslich so gefestigt, dass einem Antrag zur Gründung einer Kultusgemeinde stattgegeben wurde. Eine besonders angesehene Persönlichkeit der Gemeinde war der Rabbiner Dr. Adolf Altmann, der von 1907 bis 1914 und provisorisch von 1918 bis 1920 der Gemeinde vorstand, bis er zum Oberrabbiner von Trier berufen wurde. Altmann war mit zahlreichen kulturellen Projekten in der Salzburger Öffentlichkeit aktiv. Ausserdem verfasste er das umfassende zweibändige Werk “Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg, von den frühesten Zeiten bis zur Gegenwart”. Der Nachfolger von Rabbiner Altmann wurde Julius Augapfel. Ihm folgte Samuel David Margules, der die Gemeinde bis zu deren Zerstörung 1938 führte. Rabbiner Altmann beeinflusste als religiöser Zionist die Anfänge der zionistischen Bewegung. In seinem volkspädagogischen Plan zur Hebung des jüdischen Nationalbewusstseins spielte die Jugendarbeit eine zentrale Rolle. 1919 gründete Altmann den “Jüdischen Jugendbund Hatikwah”, der sich in seinen Satzungen “die religiös-nationale, geistig–wissenschaftliche und körperliche Selbstertüchtigung der jüdischen Jugend” zum Ziel setzte.

 

Salzburger Bethaus ca. 1930

1926 wurde in Salzburg eine Ortsgruppe des “Zionistischen Landesverbandes” ins Leben gerufen. Weiterhin entstand eine Ortsgruppe der zionistischen Frauenorganisation “Women’s International Zionist Organization”. Neben der zionistischen Bewegung gründeten Salzburger Juden 1930 eine Filiale der “Union österreichischer Juden”, die sich vehement für die Integration der Juden in die österreichische Gesellschaft einsetzte. 1936 entstand eine Ortsgruppe des “Bundes jüdischer Frontsoldaten”. Auch zahlreiche kulturelle sowie karitative Einrichtungen, wie der Verein für jüdische Geschichte und Literatur, eine B’nai-B’rith-Loge und die Unterstützungskasse für Bedürftige und Kranke, zeugen von der Lebendigkeit des jüdischen Vereinslebens.

Ab den Achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts fand der deutschnationale Antisemitismus in Salzburg zahlreiche Anhänger. Mit dem Anschluss an Deutschland im März 1938 wurde er Teil des österreichischen öffentlichen Rechtssystem. Am 12. März 1938 wurden jüdische Bürger Salzburgs verhaftet und die Nationalsozialistische Betriebszellen-Organisation (NSBO) begann, jüdisches Eigentum zu konfiszieren. Juden, die keine österreichische Staatsbürgerschaft besassen, wurden sofort ausgewiesen. Am 30. April 1938 verbrannte die HJ unter Leitung des NS-Lehrerbundes auf dem Salzburger Residenzplatz 1200 jüdische und klerikale Bücher. Trotz der zahlreichen judenfeindlichen Bestimmungen und Ausschreitungen setzten die meisten Salzburger Juden ihre Pläne zur Auswanderung erst nach den Ereignissen des Novemberpogroms um. Am frühen Morgen des 10. November 1938 zerstörten 30 bis 50 Personen, fast alle Angehörige der SA, die Fenster, Einrichtungsstücke sowie Kultgegenstände der Synagoge in der Lasserstrasse. Auch sieben Geschäfte jüdischer Eigentümer, die noch nicht von den Nazis beschlagnahmt worden waren, wurden demoliert. Die Gestapo, der Sicherheitsdienst und die SS verhafteten 60 bis 70 männliche Juden, die nach Wien und von dort ins Konzentrationslager Dachau deportiert wurden. Um die Jahreswende 1938/39 wurde die Kultusgemeinde Salzburg aufgelöst und 1939 wurden die Synagoge und der Friedhof in Aigen in das Eigentum der SS übertragen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das ehemalige Bethaus profaniert und als Depot missbraucht.

Nach dem Novemberpogrom 1938

Nach dem Krieg entstanden in Stadt und Land Salzburg mehrere Lager jüdischer KZ-Überlebender. Für ihre gemeinsamen Gebete wurde 1945 ein provisorisches Bethaus in der Hans-Prodinger-Strasse 19 eingerichtet. Einige Juden, die in Salzburg verblieben, gründeten 1953 eine Kultusgemeinde. Die zerstörte Synagoge in der Lasserstrase 8 wurde wiedererrichtet und 1968 eingeweiht. Die ursprüngliche Fassade konnte bis auf die kompliziert gemusterten Fenstergläser rekonstruiert werden. 1990 lebten ca. 100 Juden in Stadt und Land Salzburg.

 

 

 

Literatur:

- Genée, Pierre, Synagogen in Österreich, Wien, 1992

- Fellner, G., Antisemitismus in Salzburg 1918-1938, Wien/Salzburg, 1979

- Feingold, M. (Hrsg.), Ein ewiges Dennoch. 125 Jahre Juden in Salzburg, Wien/Köln/Weimar, 1993

- Pototschnig, F., Putzer, P., Rinnerthaler, A. (Hrsg.), Semitismus und Antisemitismus in Österreich, München, 1988

- Altmann, A., Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg, Salzburg, 1990

- Karin-Karger, Mendel, Salzburgs wiederaufgebaute Synagoge, Salzburg, 1968

- Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (Hrsg.), Widerstand und Verfolgung in Salzburg 1934-1938, Wien/Salzburg, 1991

 

 

 

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