Rechnitz
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Erbaut
Built
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1718
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Erste Erwähnung der Gemeinde
First Mention of the Community
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1527
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Letzter Rabbiner
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Dr. Winkler
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Anzahl der Gemeindemitglieder
Number of Community Members
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17./18. Jahrhundert: ca. 400
1841 : 916 (21 % der Gesamtbevölkerung)
1859 : 850
1900 : 311
1923 : 145
1934: 170
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Pogromnacht
Pogrom Night
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das Innere zertrümmert und ausgeraubt
the Interior demolished and robbed
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1938-1945
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enteignet und an die Stadtgemeinde Rechnitz
übergeben
expropriated and handed over to the
town Rechnitz
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Nach 1945
After 1945
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Feuerwehrhaus
House of the Fire Brigade
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Heute
Today
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Wohnhaus
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Schon
im 15. Jahrhundert lebten Juden ständig in Rechnitz. 1527 gelangte
Rechnitz in den Besitz des Fürstenhauses Batthyány, wo es bis 1861
blieb. Es gibt einen Hinweis darauf, dass die Rechnitzer Juden 1649 eine eigene
Synagoge mit Thoraschrein hatten. 1683 wird in einem Dokument der Schulmeister
und Richter der jüdischen Gemeinde Salomon Wolf angeführt.
Die
Juden in Rechnitz wohnten hauptsächlich am Hauptplatz, in der Herren-,
Juden- und Klostergasse. 1682
legte die Gemeinde einen Friedhof an, der mehrmals erweitert wurde. 1746 wurde
die Chewra Kadischa in Rechnitz gegründet. Der Verein betrieb auch
ein Krankenhaus, in dem minderbemittelte Juden gepflegt wurden. Die Gemeinde
richtete eine Mikwe ein und unterhielt einen Schächter.
1707
konnte die jüdische Gemeinde eine Synagoge von ihrem Gutsherren
Batthyány erwerben. Schon bald darauf, 1718 liess sich die Gemeinde mit
Unterstützung des Oberrabbiners von Ungarn, Samson Wertheimer, eine neue
und grössere Synagoge bauen. Das Gotteshaus, im Barockstil errichtet,
konnte auf einem Hügel erbaut werden und verfügte über 400
Sitzplätze. 1727 erwarb die Gemeinde ein der Synagoge angrenzendes
Gebäude, im dem die Schule und die Rabbinerwohnung eingerichtet wurde.
1736 wirkten in Rechnitz vier jüdische Lehrer, 1774 bereits sechs. 1834
wurde die Synagoge neu gestaltet. Es war ein hoher, rechteckiger Bau mit einem
Satteldach, im Inneren ein flaches Tonnengewölbe mit Stichkappen und an
drei Seiten Galerien auf gusseisernen Ständern. (Genée) Der
Rechnitzer Tempel wies zahlreiche Wand- und Deckenmalereien auf. Das war
für burgenländische Synagogen nicht ungewöhnlich, sowohl
Deutschkreutz als auch Lackenbach hatten Vergleichbares. 1864 wurde die
Synagoge renoviert. Die Gemeinde in Rechnitz richtete eine eigene
Mazzesbäckerei ein, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts geführt
wurde.
Am
Ende des 17. Jahrhunderts war Jehuda Löb Rabbiner in Rechnitz. In der
Mitte des 18. Jarhunderts wirkte Rabbiner Jehuda Löb Stassov. Sein
Nachfolger wurde Rabbiner Eleasar Kalir, bedeutender Talmudgelehrter und Verfasser
des Werkes Or Chadash, der von 1765 bis 1778 in Rechnitz als Rabbiner fungierte.
Rabbiner Gabriel HaKohen Engelsmann, Verfasser des Werkes Einei Israel, wurde
1823 Rabbiner in Rechnitz, wo er bis zu seinem Tod 1851 wirkte. Mit Meier
Zipser kam 1858 ein neuer Rabbiner nach Rechnitz. Er war bis dahin der Rabbiner
der allgemeinen jüdischen Gemeinde Stuhlweissenburg gewesen. Dort kam er im
Anschluss an eine umstrittene Scheidung, die er durchgeführt hatte,.in
Bedrängnis. Der Rabbiner der dortigen kleinen orthodoxen Gemeinde,
Gottlieb Fischer, stellte die Gültigkeit der Scheidung in Frage. 1853
verfasste Zipser dazu eine Verteidigunsschrift, Mei Haschiloach. Nachdem sich
jedoch der einflußreiche Pressburger Rabbiner Abraham Samuel Benjamin
Schreiber, der Ktav Sofer, gegen die Gültigkeit des Scheidungsbriefes
ausgesprochen hatte, mußte Meir Zipser seine Position in Stuhlweissenburg
aufgeben. In seiner Stellung in Rechnitz, wo er sehr beliebt war, führte
er als einer der prominentesten Reformrabbiner den Titel Oberrabbiner und
wirkte dort bis 1869. Es verwundert nicht, dass sich Rechnitz bei der Trennung
der ungarischen Gemeinden auf die neologische Seite schlug. Im Laufe des 19.
Jahrhunderts wurde Rechnitz zu einem Zentrum des neologischen Judentums im
Burgenland. Noch bis ins 20. Jahrhundert wurde in deutscher Sprache gebetet.
1864
besuchten 50 Jungen und 42 Mädchen die ersten drei Klassen der
jüdischen Schule. In der Zwischenkriegszeit verarmte die Gemeinde derart,
dass sie nach dem Tod des letzten Rabbiners Dr. Winkler, der von 1919 bis 1923
wirkte, keinen neuen mehr anstellen konnte. Die jüdische Schule musste
aufgrund zu geringer Schülerzahlen schliessen. Die Kinder wurden im
jüdischen Glauben vom Kantor Josef Glück unterrichtet, der bis 1938
auch das gemeinsame Gebet führte. Zur Kultusgemeinde Rechnitz gehörte
auch der zu Ungarn gehörige Bezirk Güns.
Nach
dem Anschluss im März 1938 wurden die Juden zunächst enteignet,
später wurden die Männer in Haft genommen. Kantor Josef Glück
wurde von den Nazis in der Nacht abgeholt und in das KZ Dachau deportiert, wo
er ermordet wurde. Im April wurden die Juden von Rechnitz zusammengetrieben, in
Autobusse verladen und in Richtung Jugoslawien abtransportiert. Sie durften auf
diese Fahrt ins Nichts nur 20 Reichsmark mitnehmen, aller Besitz blieb
zurück.
Das
Innere der Synagoge wurde in der Pogromnacht zertrümmert, wertvolle
Kultgegenstände wurden geraubt und nach Eisenstadt gebracht. Die Liegenschaft wurde vom Stillhaltekommissar eingezogen
und an die Stadtgemeinde Rechnitz veräußert. Während der
NS-Zeit wurde das Gebäude als Jugendherberge missbraucht. Im März
1945 wurden 200 ungarische jüdische Zwangsarbeiter während einer
Feier der lokalen NSDAP-Führung im Schloss Rechnitz ermordet.
Nach
dem Krieg wurde die ehemalige Synagoge bis in die 1970er Jahre als
Feuerwehrrüsthaus seinem Zweck entfremdet benutzt. Danach wurde das
Gebäude umgebaut und dient seither als Wohnhaus. 1990 wurde eine
Gedenktafel an dem Haus angebracht.
Literatur:
Geschichte
der Ortsfeuerwehr Rechnitz http://web41.host04.de/austria-4u/orte/bgld/r/rechnitz_fw.htm
Reiss,
Johannes: Geschichte der Juden und jüdische Geschichte im Burgenland. in:
Mayrhofer, Fritz/ Oppl, Ferdinand (Hrsg.): Juden in der Stadt, Linz/Donau, 1999
Gombos,
G./Gruber, C./Teuschler, C. (Hg.), ... und da sind sie auf einmal dagewesen.
Zur Situation von Flüchtlingen in Österreich. Beispiel Rechnitz,
Oberwart, 1992
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