Synagogen in Ostereich / Synagogues in Austria


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Eisenstadt – Asch

 

 1834

 

 

Erbaut

1834

Erste Erwähnung

14. Jahrhundert

Letzter Rabbiner

Markus Jaffe-Schlesinger

Anzahl der Gemeindemitglieder

1932: 583

1934: 462

Eisenstadt: 204

Oberberg: 33

Unterberg: 225

Pogromnacht

verwüstet

Heute

Bürogebäude

 

In den Stadtprivilegien von 1373 werden zum ersten Mal Juden in Eisenstadt erwähnt. Im 16. Jahrhundert entstand unter der Herrschaft des Pfandherrn Johann von Weisspriach das erste jüdische Ghetto mit Bethaus, Mikwe und eigenem Friedhof innerhalb der Stadtmauern. Im 17. Jahrhundert reihte sich Eisenstadt ein in die unter dem Schutz des Fürstenhauses Esterházy geduldeten Sieben Heiligen Gemeinden (Schewa Kehillot)- Deutschkreutz, Eisenstadt, Frauenkirchen, Kittsee, Kobersdorf, Lackenbach und Mattersburg.

Um 1690 entstand der erste große Synagogenbau, der später sogenannte Alte Tempel. Er diente seiner Gemeinde fast 150 Jahre lang, bis er 1834 durch einen neuen Synagogenbau, vom Architekten des Fürsten Karl Moreau entworfen, ersetzt wurde. Der Synagogenkomplex beinhaltete das Gemeinde-Haus, die Rabbinerwohnung, das Badehaus mit der Gemeinde-Mikwe und das sogenannte Schiurzimmer, in dem der Rabbiner seine Thora-Vorträge abhielt. Samson Wertheimer, Oberhoffaktor des Kaisers und Landesrabbiner von Ungarn, liess 1717 ein prächtiges Haus mit einer kleinen Synagoge und einer Mikwe errichten. 1875 kaufte die Familie Wolf das Gebäude und hielt in der „Wertheimer-Schul“ mit Gästen Gottesdienste ab.

1717 kam R. Meir ben R. Jizchak, auch Maharam Asch genannt, nach Eisenstadt und eröffnete eine Jeschiwa. Der Talmudgelehrte war durch sein Responsenwerk „Panim Meirot“ berühmt geworden. Die Jeschiwa war das Zentrum R. Meirs Wirken. 1744 verstarb er und eine Reihe berühmter Rabbiner folgten ihm im Amt. Darunter waren R. Ascher Lämmel Ha-Levi Glogau und sein Sohn R. Jechiel Michel im 18. Jahrhundert.

Aus dem 19. Jahrhundert wissen wir, dass die Gemeinde ohne Erfolg versuchte, den in Eisenstadt geborenen R. Akiva Eger als Rabbiner in die Stadt zu bringen. Stattdessen kam 1822 R. Jizchak Mosche Perls nach Eisenstadt, unter dessen Leitung die Jeschiwa zur zweitgrößten in Ungarn wurde. Er wirkte zwanzig Jahre in Eisenstadt, bevor er Rabbiner im ungarischen Bonyhad wurde. Er verließ Eisenstadt im Zuge eines Konfliktes mit einem der Gemeindevorsteher. Einer seiner Schüler berichtet davon in seinen Memoiren: „Im Jahre 1841 enststand jedoch ein Zwist zwischen ihm und dem Gemeindevorsteher Löb Wolf in Angelegenheit des alten, seinerzeit von dem Eisenstädter Rabbiner Meir ben Jizchak erlassenen Verbots des Kartenspielens. Im Sinne dieses alten Cherem (Banns) ist in Eisenstadt jede Art von Kartenspiel, außer an den Halbfesten Chanukka und Purim und den anschließenden Tagen (bis zur nächsten Toravorlesung), streng verboten. Eine weitere Ausnahme bildet das Kartenspiel im Hause einer Wöchnerin bis zu deren ersten ‚Schulgang‘ (Besuch der Synagoge). In jenem Jahre ließ nun mein Lehrer [R. Perls] nach Ablauf der Spielfrist in der Synagoge dem Herkommen gemäß ausrufen, dass das Kartenspiel wieder verboten sei. Der genannte Vorsteher, dem diese Bekanntmachung nicht zusagte, vermaß sich, in der Judengasse durch den Synagogendiener öffentlich verkünden zu lassen, dass das Spiel weiterhin gestattet sei ...“ So wie andere burgenländische Gemeinden hatte auch Eisenstadt eigene Minhagim entwickelt. Ein Keren Zizit genannter Spendenfonds versorgte die Besucher der Eisenstädter Schul umsonst mit Zizit, die in einer über dem Eingang hängenden Silberkugel auflagen. Vor Simchat Thora oblag es den Frauen, die Thorarollen entsprechend zu schmücken. Einer der pittoreskesten Bräuche war das Finden der ersten verwurmten Kirsche der Saison. Dem ersten Kind, das dem Rabbiner eine Kirsche mit Wurm zeigte, wurde ein Preis verliehen. Der Schamasch rief daraufhin offiziell aus, dass ab sofort bis zum Ende der Saison Kirschen nur nach vorheriger Untersuchung konsumiert werden durften. Dieser Minhag war in verschiedenen Varianten auch in anderen Gemeinden im ungarischen Einzugsgebiet verbreitet. Die oft abgebildete Schabbatkette, die die Untere Gasse im Osten abschloß, war nicht ein Teil des Eruws, wie oft behauptet, sondern sollte den motorisierten Strassenverkehr verhindern. Ein Eisentor begrenzte das andere Ende der Judengasse. Sowohl Kette als auch Tor wurden jeweils mit Schabbateingang geschlossen und mit Schabbatausgang wieder geöffnet. Das Schulklopfen gehörte in Eisenstadt zum Alltag. Zweimal täglich, rechtzeitig vor dem Morgen– und dem Nachmittagsgebet machte der Schames die Runde in der Judengasse und klopfte an jedem jüdischen Wohnhaus drei Schläge zum gemeinschaftlichen Gebet. Bei einem Todesfall waren es nur zwei Schläge. Am Schabbat wurde zu Schul gerufen und nicht geklopft.

Dem Rabbiner Perls folgte 1851 der berühmte Rabbiner Esriel Hildesheimer, der 1820 in Halberstadt geboren wurde und in Hamburg, Berlin und Halle eine Rabbinerausbildung und ein Universitätsstudium absolvierte. Unter seiner Leitung gelangte die Eisenstädter Jeschiwa zu großem Ruhm. 1869 verließ Hildesheimer Eisenstadt und ging nach Berlin, wo er das berühmte Rabbinerseminar gründete. In Berlin wurde ein Rabbiner nach orthodoxer Lehre ausgebildet und hat sich zusätzlich weltlichen Studien widmen dürfen; diese Kombination von Thora und "Derech Erez", Hildesheimers Vision, wäre im Burgenland undenkbar gewesen. Die Schewa Kehillot waren von der ungarischen Trennungs-Orthodoxie beeinflusst und verstanden sich als Bollwerk gegen Einflüsse von aussen, besonders von Seiten der höheren säkularen Bildung. Auf Hildesheimer folgte Salomon Kutna aus Kaposvar als Rabbiner. Nach Kutna kam Dr. Hillel Philip Klein und nach dessen Berufung nach Berlin sein Bruder. Der letzte Rabbiner von Eisenstadt war Oberrabbiner Markus Jaffe-Schlesinger, der der Gemeinde von 1931-1938 vorstand. Er konnte nach Erez Israel flüchten und lebte später in Tel Aviv.

Die Eisenstädter Gemeindesynagoge wurde in der Pogromnacht geplündert und ihr Inneres verwüstet. Auch in den Keller, wo sich viele wertvolle Kultgegenstände befanden, drang die mit Hacken bewaffnete Menge ein und raubte alles, Thorarollen, silberne Geräte und rabbinische Werke. Das entweihte Gebäude wurde als Lagerhalle missbraucht. 1951 übernahm der Österreichische Gewerkschaftsbund das Gebäude und liess es abreißen, um an seiner Stelle ein gewerkschaftliches Bürogebäude zu errichten. Die Wertheimer-Schul hat den Krieg besser überstanden. Nach dem Krieg hielten jüdische Soldaten der Sowjetarmee hier sogar Gottesdienste ab.

1972 wurde das von der burgenländischen Landesregierung erworbene Anwesen dem "Österreichischen Jüdischen Museum" übergeben. 1979 wurde das Museum eröffnet, das seine erzieherische Aufgabe, den Besuchern aller Generationen das Judentum und die reiche lokale Geschichte näher zu bringen, in hervorragender Weise gerecht wird. Die Wertheimer-Schul ist als solche erhalten, auch wenn heute keine regelmäßigen Gottesdienste mehr stattfinden.

 

 

Literatur:

Reiss, Johannes, Zur Geschichte der Juden im Burgenland, Internetseiten des Österreichischen Jüdischen Museums in Eisenstadt (http://www.ojm.at/artikel/burgenland02)

Encyclopedia Judaica 1972, vol.6, S. 546ff. Eisenstadt

Ayali, Meir, Meine Kindheit in der Judengasse in Eisenstadt, Internetseiten des Österreichischen Jüdischen Museums in Eisenstadt (http://www.ojm.at/artikel/kindheit01)

 

 

 

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