Synagogen in Ostereich / Synagogues in Austria


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Frauenkirchen

 

Erbaut

 

Erste Erwähnung der Gemeinde

 

Letzter Rabbiner

Simon Löwy

Anzahl der Gemeindemitglieder

1678:29 Familien

1690:20 Familien

1725:49 Familien

1767:77 Familien

1787:408

1828:581

1842:651

1932: 400

1934: 386

Ende des 17. Jahrhunderts entstand die jüngste unter den Schewa Kehilot, den Sieben Gemeinden des Burgenlands, Frauenkirchen. Juden flohen nach einem Pogrom aus Mönchhof und kamen nach Frauenkirchen, wo sie unter dem Schutz des Fürsten Esterházy eine Gemeinde gründen konnten. Der Schutzbrief gewährte den Juden gegen Zahlung von Schutzgebühren und Steuern die Erlaubnis zur Errichtung einer eigenen Gemeinde mit selbständiger Verwaltung und lokaler Gerichtsbarkeit. Die Gemeinde konnte eine Synagoge, Schule und ein Rabbinat einrichten. Die Gemeinde siedelte sich zunächst auf der „Judenhöhe“ zwischen Frauenkirchen und St. Andrä an. Später wies der Fürst ihnen einen Platz am Rand des Ortes zu und erlaubte den Juden, sich ihre eigenen Häuser zu bauen. Die gemeinsamen Gebete hielt die Gemeinde in einem Zimmer im Besitz des Fürstentums ab. Um 1740 errichtete die Gemeinde ihre eigene Synagoge in dem Judenviertel. Zu dieser Zeit wurde auch der Friedhof an der Strasse nach St. Andrä eingerichtet. Die Gemeinde unterhielt eine koschere Fleischerei mit einem Schächter. 

1678 entrichteten 29 jüdische Familien das Schutzgeld. 1712 waren 16 Häuser in jüdischem Besitz. Bereits in diesem Jahr gibt es ein Schulhaus. Bis zum Ende des Jahrhunderts stieg die Zahl auf über 50 Häuser an und es wurde nicht mehr möglich, weitere Häuser zu bauen. 1778 schloss die Gemeinde mit dem Fürstentum den „Schrankenbaum-Contract“ ab, in dem festgelegt wurde, dass die Ein- und Ausfahrtsstrassen des jüdischen Viertels am Schabbat und an den Feiertagen gesperrt wurden.  

Im August 1778 tobte ein Brand in Frauenkirchen, dem das gesamte Judenviertel mit 57 Häusern und der Synagoge zum Opfer fiel. Die Häuser und die Synagoge wurden wieder errichtet, doch im August 1781 schlug ein Blitz ein und zerstörte einen Teil der Judengasse. 1840 und 1854 brachen nochmals Brände aus, die einen Teil der Häuser zerstörten. 1840 erlitt auch die Synagoge grossen Schaden. Zunächst wurde die Synagoge nur provisorisch aufgerichtet, bis eine neue Synagoge gebaut wurde.

1843 weihte die Gemeinde ihre neue im Biedermeierstil errichtete Synagoge ein. Das zweistöckige Gotteshaus wurde nach dem Vorbild der Eisenstädter Synagoge entworfen. Oberrabbiner Israel Aaron Landesberg hielt die Einweihungsrede. Wie alle anderen der Schewa Kehilot war auch Frauenkirchen der Trennungsorthodoxie verplichtet. Die Kultusgemeinde Frauenkirchen verwaltete auch die Ortschaften Andau, Apetlon, Gols, Illmitz, Neusiedl am See, Pamhagen, Tadten und Wallern.

Die Gemeinde wuchs bis 1848 stetig an und machte ein Viertel, teilweise sogar ein Drittel der Gesamtbevölkerung aus. 1787 hatte die jüdische Familie durchschnittlich 2,3 Kinder. Die Männer verdienten den Lebensunterhalt als Händler oder Handwerker.

Frauenkirchen, wie fast alle westungarischen Kultusgemeinden, schloss sich dem „Zentralrat der autonomen orthodoxen Gemeinschaft“ an.

Simon Löwy amtierte von 1892 bis 1938 als Rabbiner in Frauenkirchen.

Die Juden aus Frauenkirchen wurden 1938 wenige Wochen nach dem Anschluss in einen Stall gepfercht, wo sie ohne Nahrung stehen mussten, geschlagen und ihres Besitzes beraubt wurden. Noch im März wurden einige Familien an die tschechische Grenze verfrachtet, wo sie einige Tage im Niemandsland herumirrten. ? Andere schafften die Flucht nach Jugoslawien oder die Slowakei. Im April wurden 60 Familien unfreiwillig und mittellos drei Tage vor Pessach nach Wien gebracht.

Im März 1938 wurde die jüdische Wohngegend in Frauenkirchen, das sogenannte Tempelviertel, und die gesamte Judengasse niedergerissen. 1940 wurde die Synagoge endgültig zerstört und abgetragen.

 

 

Literatur:

Zur Geschichte der Juden im Burgenland. Österreichisches Jüdisches Museum Eisenstadt 1993

Die jüdische Gemeinde von Frauenkirchen, Herbert Brettl, Halbturn, 2003

 

 

 

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