Kittsee und
Gattendorf
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Erste
Erwähnung der Gemeinde
First
Mention of the Community
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1663
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Letzte Rabbiner
Last Rabbis
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Mordechai
Friedmann / Armin Zwi Perls
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Anzahl der Gemeindemitglieder
Number of
Community Members
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1735 : 266
1821 : 789
1880 : 111
1930 : 58
1934: 62
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Nach 1945
After 1945
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1950 abgerissen
demolished 1950
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Heute
Today
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Kittsee,
die nördlichste Gemeinde des Burgenlands, gehörte seit 1716 zu den Schewa
Kehilot (Sieben Heiligen Gemeinden) und befand sich seit 1800 unter dem
Schutz des Fürsten Esterhazy.
Im
17. Jahrhundert wies Kittsee, in jüdischen Quellen als Kize verballhornt,
bereits Friedhof und Synagoge auf. In dem Jahr 1728 ist ein Beth Din
(Rabbinisches Gericht) unter Vorsitz des Maharam Asch, Meir ben Isaak
Eisenstadt, verzeichnet. Rabbinerpersönlichkeiten, die in Kittsee wirkten,
waren Mosche Elieser, der auch eine Jeschiwa leitete und Zwi Hirsch Broda. 1735
verzeichnete man eine jüdische Bevölkerung von 155 Erwachsenen mit
111 Kindern.
Die
Kittseer Synagoge in der Herrengasse 15 war bis in die 1930er-Jahre in
Benutzung. Der jüdische Friedhof wurde neben dem damaligen Wasserschloss
der Esterházy anglegt. Auf dem Friedhof, der heute
noch erhalten ist, befinden sich 150 Grabsteine. 1821 lebten 789 Juden in
Kittsee. 1880 sank die Zahl auf 111, da vor allem die jüdischen
Händler in die Städte Pressburg, Wieselburg und Wien zogen. 1934 lebten
noch 62 Juden in Kittsee.
1885
wurde Gattendorf, einige Kilometer südlich von Kittsee gelegen und
ebenfalls unter dem Schutz des Fürsten Esterhazy, an die Kultusgemeinde
Kittsee angeschlossen. Auch die Gemeinde Edelstal gehörte zur
Kultusgemeinde. In Gattendorf gab es seit 1806 eine eigene Synagoge, die sich
im Hof des Meierhofes befand. 1862 wurde die Synagoge neu aufgebaut. Zu jener
Zeit richtete die jüdische Gemeinde auch eine eigene Schule ein.
Ausserhalb von Gattendorf wurde ein Friedhof angelegt, der 120 Gräber
umfasst. Bis zu der Zusammenlegung mit Kittsee hatte die Gemeinde in
Gattendorf, in jüdischen Quellen Kotendorf genannt, einen eigenen Rabbiner,
danach nur noch einen eigenen Schächter. 1882 wurde ein Mikwe
eingerichtet. Durch Abwanderung in grössere Städte, wie Wien und
Pressburg, lebten 1934 nur noch 19 Juden in Gattendorf. Die Synagoge war bis
zum Jahre 1938 in Benutzung, doch bereits in den Zwanziger Jahren in einem
schlechten Zustand. So beschreibt Leopold Moses die Synagoge 1927: "Schon
der hölzerne Zaun, der den Vorhof von der Straße trennt, ist
vielfach durchbrochen, das Mauerwerk stark abgebröckelt und im Innern
wölbt sich über dem sonst freundlichen und würdigen Raum, in
dessen Mitte ein schöner Almemor steht, an Stelle einer Kuppel ein aus
rohen Brettern notdürftig gezimmerter Plafond, der seit Jahresfrist die
frühere Decke, die bereits einzustürzen gedroht hatte, ersetzen
muß." Die Synagoge überstand die Nazizeit und bot auch in den
Nachkriegsjahren ein trauriges Bild. 1996 wurde die Synagoge, seit vielen
Jahren bereits in privatem Besitz, schließlich abgetragen.
Im April des Jahres 1938, am ersten
Tag von Pessach, wurden 51 Juden aus Kittsee und Kroatisch-Jahrndorf von den
Nazis verhaftet, ihres Eigentums beraubt und auf einem Motorboot zu einer
Sandinsel in der Donau gebracht. Bürger und Grenzsoldaten des
tschechischen Dorfes Theben retteten die Obdachlosen. Nach einer Zeit brachte
man sie ins Polizeigefängnis nach Preßburg. Die Vertriebenen wurden
nach Ungarn abgeschoben und von dort wieder nach Österreich vertrieben, wo
die SA sie in Baracken einsperrte.
Rabbiner
Friedmann berichtete über die schreckliche Liquidierung der Gemeinde
Kittsee:
"In der
Seder-Nacht" des Jahres 1938 (15.4.1938) brachte die Gestapo alle Juden
der Umgebung nach Kittsee uns sperrte sie alle (ungefähr 70 Personen), an
der Spitze der Rabbiner und seine Frau, in den Keller ein. Von dort wurden sie
mitten in der Nacht nach Audorf an der Donau transportiert. Sie
verbrachten die Nacht im Freien unter fürchterlichen Misshandlungen durch
die Begleitmannschaft.....
Ein Flussschiff unter französischer Flagge, das ihnen Gott-Dank der guten
Taten des "Zaddik" zuschickte und an das ein Lastkahn gekoppelt war,
machte am Ufer fest, und der Kapitän erlaubte ihnen den Zutritt zum Kahn.
Ihre Rettung lag aber noch in weiter Ferne, denn der Kapitän machte,
sobald sie auf ungarischem Gebiet angekommen waren, den Kahn los und die
ungarischen Gendarmen hinderten die Juden am Aussteigen und Betreten des
Flussufers.
(Eine Flucht in die Tschechoslowakei war daran gescheitert, dass die
tschechoslowakischen Behörden keinen Präzedenzfall schaffen wollten,
der die österreichischen Juden zur Flucht in die Tschechoslowakei
ermuntern sollte.)
Dem "Zaddik" Rabbi Michael-Ber Weißmandel und seinem
Assistenten Aron Grünhut gelang es, die Genehmigung der ungarischen
Behörden zu erlangen, dass der Kahn bis zur endgültigen Lösung
des Problems in Ragendorf (Rajka) ankern dürfte. Der Lastkahn, der
über einen schmalen Steg zu erreichen war, von Ratten wimmelte und kaum
sanitäre Einrichtungen hatte, diente 4 Monate lang 70 Menschen als
Aufenthaltsort. Obwohl das Problem in der ganzen Welt bekannt wurde, wollte
sich niemand der kleinen Gemeinde annehmnen. Der 80-jährige Rabbi Armin
Zwi Perls, selbst schwer krank, sprach seiner Gemeinde Mut zu und ermahnte sie,
die Hoffnung nicht zu verlieren, während Aron Grünhut nicht ruhte und
rastete, bis sich in verschiedenen Ländern konkrete Chancen für die
Aufnahme der Vertriebenen abzeichneten.
Rabbi Perls und seine Gemahlin waren zu schwach, um weiter zu reisen und
erhielten aufgrund Aron Grünhuts Bemühungen eine
Aufenthaltsgenehmigung in Bratislava. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht und
ließ sich später in Nové Mesto nad Váhom nieder, wo er
bis zu seinem Tod (18.9.1943) lebte." (http://www.museumonline.at/1998/schools/burgenla/BL_kitts/Vertreib.htm
)
Die
Kittseer Synagoge wurde um 1950 abgerissen.
Literatur:
Juden in Kittsee http://www.museumonline.at/1998/schools/burgenla/BL_kitts/Kittsee.htm
Leopold
Moses: Jüdische Gemeinden, in: Die Wahrheit. Unabhängige Zeitschrift
für jüdische Interessen, XLI-II. Jg., Nr. 9, Wien, 25. Februar 1927,
S. 4.
http://www.ojm.at/gemeinden/kittsee/
Summary in English: