Lackenbach
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Erbaut
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Erste Hälfte des 18. Jahrhunderts
First half of the 18th Century
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Erste
Erwähnung der Gemeinde
First Mention of the Community
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1527
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Letzter
Rabbiner
Last
Rabbi
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Jehuda
Cohen Krauss
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Anzahl
der Gemeindemitglieder
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1869 : 770
1932 : 430
1934 : 346
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Schicksal
der Synagoge
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1942 gesprengt
Blowed Up 1942
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Schon
seit Mitte des 16. Jahrhunderts lebten Juden in Lackenbach unter dem Schutz des
Freiherrn von Weisspriach. Von der durch Kaiser Leopold I. befohlenen
Ausweisung 1669/1670 waren sie aber nicht verschont. Erst mit der Gründung
der Schewa Kehillot unter dem Schutz des Fürsten Ersterházy wurde
eine Neu- und Wiederbelebung der Gemeinde möglich. Oberhoffaktor Samson
Wertheimer half bei der Etablierung der Gemeinde und bei der Renovierung der
Synagoge, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut wurde. Weiterhin
legte die Gemeinde einen eigenen Friedhof an. 1869 lebten 770 Juden in
Lackenbach, was 62% der Gesamtbevölkerung ausmachte. Bis 1932 war die Zahl
auf 430 Gemeindemitglieder gesunken (21% der Gesamtbevölkerung). Zur
Kultusgemeinde Lackenbach gehörten auch die Orte Frauenhaid, Horitschon,
Neutal, Stoob, Oberpullendorf, Lutzmannsburg, Nikitsch und Neudorf. Lackenbach
stand in der Tradition der ungarischen Trennungsorthodoxie.
Benjamin,
ein Sohn des berühmten Rabbiner Meir Eisenstadt (Maharam Asch) war hier
Rabbiner und leitete auch eine Jeschiwa, die auch unter seinem Nachfolger,
Rabbiner Schalom Ullmann, ob seiner Scharfsinnigkeit Reb Scholem Charif [Heb.:scharf]
genannt, weiter existierte. Reb Scholem diente seiner Gemeinde 31 Jahre lang,
bis er im Jahre 1830 verstarb. 1902 kam Rabbiner Jehuda Cohen Krauss nach
Lackenbach und wurde das Oberhaupt einer ansehnlichen Jeschiwa. Der Traum des
altmodischen Rabbiners, in der kleinen Stadt ein Leben der Thora zu widmen und
eine weitere Generation von Thora-treuen Schülern zu erziehen, wurde von
der Welle des Antisemitismus und der Brutalität der Nazis in
Österreich zerstört. Er konnte sich vor dem Zugriff der neuen Machthaber
nach Palästina retten und verstarb 80-jährig 1939 in Jerusalem.
Rabbiner Krauss’ Nachfolger wurde sein Schwiegersohn Chaim Meir
Unger. Der
Schochet Israel Taube fungierte als Kantor.
Israel
Glück, in Lackenbach aufgewachsen, erinnert sich an die Synagoge.
"... Vom breiten Eingang führten ein paar Stiegen hinunter in einen
großen Vorraum. Von diesem ging links eine Treppe hinauf in die
Frauenabteilung, rechts betrat man durch ein Portal die Männerschul. Der
Geruch ausgebrannter Wachskerzen vom Vorabend erfüllte noch die Luft. Der
riesige Saal mit der gewölbten Decke, die Fenster aus buntem Glas, der
kunstvoll geschnitzte heilige Schrein mit den Thorarollen, darüber die
beiden Steintafeln mit den zehn Geboten, all dies erfüllte mich mit tiefer
Ehrfurcht. Ich saß neben Großpapa, lauschte andächtig dem
Gesang des Kantors und dem lauten Beten der Gemeinde. Mein Blick konnte sich
nicht satt sehen an den Wandmalereien mit dem Auszug aus Ägypten sowie
anderen biblischen Szenen. Von der Decke hingen an dicken Ketten schwere Kupferleuchter.
Alles war so feierlich, so außerirdisch. So ungefähr muss es im
Himmel aussehen - stellte ich mir vor. ..."
Einige
Wochen nach dem Anschluss vom März 1938 wurden die Juden Lackenbachs
nachts auf offene Lastwagen verladen. Ursprünglich gestatteten die
Behörden den Juden nur mitzunehmen, was sie tragen konnten. Nachdem man
bei einigen Schmuck fand, den sie hätten abliefern sollen, nahm man allen
das Handgepäck ab und sie wurden mit nichts als ihren Kleidern am Leib
nach Wien verfrachtet. Im Mai 1938 gab es keine Juden mehr in Lackenbach. Die
Liegenschaften im Eigentum der Lackenbacher
IKG
wurden im Jahr 1941 zu Gunsten der Ortsgemeinde Lackenbach zwangsversteigert.
Silberobjekte und Einrichtung der Synagoge
wurden von der Gestapo Eisenstadt beschlagnahmt. Der Synagoge selbst
wurde 1942 gesprengt.
Heute erinnert an die Gemeinde nur noch
der jüdische Friedof, der mit seinen 1770 Grabsteinen der grösste
jüdische Friedhof des Burgenlandes ist.
Literatur:
Zur
Geschichte der Juden im Burgenland. Österreichisches Jüdisches Museum
Eisenstadt 1993
Israel A. Glück, Kindheit in
Lackenbach. Jüdische Geschichte im Burgenland, Konstanz 1998.
Adonjahu
Krauss: Lackenbach
Philip
V. Bohlman: Lackenbach – Das Burgenland und die internationale
Popularmusik des 20. Jahrhunderts. http://www.oejudmus.or.at/museum/musym/bohlman3.htm
Summary in English: