Synagogen in Ostereich / Synagogues in Austria


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Mattersdorf - Mattersburg

 

Erbaut

Built

16. Jahrhundert

16th Century

Erste Erwähnung der Gemeinde

First Mention of the Community

1528

Letzter Rabbiner

Last Rabbi

Israel Taussig, Samuel Ehrenfeld

Anzahl der Gemeindemitglieder

1785 : 767

1883 : 700

Zwischenkriegszeit : 430

1934 : 511

Schicksal der Synagoge

1940 gesprengt

Blowed Up 1940

Wahrscheinlich waren es von Ödenburg oder Wiener Neustadt geflohene Juden, die sich schon im 16. Jahrhundert in Mattersdorf (seit 1923 Mattersburg) ansiedelten. Dort waren sie der wechselvollen Judenpolitik des Kaisers ausgesetzt, bis sie 1622 unter den Schutz des Fürsten Esterházy gestellt wurden. 1644 wird die Judengasse erstmals erwähnt.

1670/71 wurden die Juden in Mattersdorf aus ihren Häusern vertrieben. Einige zogen in benachbarte Gemeinden, um auf eine Rückkehr nach Mattersdorf zu warten. Nach einigen Jahren kehrten sie zurück, durften aber erst nicht ihr Eigentum zurückkaufen, sondern mussten sich in christliche Häuser einmieten. Während der Türkenkriege und Kurutzenaufstände Anfang des 18. Jahrhunders flohen die Juden sowie die übrige Bevölkerung in die Burg Forchtenstein. Die Synagoge aus dem 16. Jahrhundert soll im gotischen Stil erbaut worden sein. Im 19. Jahrhundert wurde sie umgebaut. Zur Synagoge gehörte eine Reihe wertvoller Kultgegenstände. Die Gemeindemitglieder lebten in dem jüdischen Viertel und konnten ausserhalb dieses Lebensraumes keine Häuser bauen oder mieten.

Geistiger Mittelpunkt der Gemeinde von Mattersdorf war ihre Jeschiwa. Schon seit dem 18. Jahrhundert gehörte es zu den Pflichten jedes Rabbiners, der nach Mattersdorf kam, eine Jeschiwa leiten zu können. Die Gemeinde verpflichtete sich im Gegenzug, eine gewisse Anzahl von Studenten zu verköstigen. Je nach finanzieller Lage der Gemeinde haben zwischen drei und zwölf Studenten auf Kosten der Gemeinde ihr Thora-Studium in der Jeschiwa verfolgt. Das waren jene Studenten, deren Familien nicht in der Lage waren, die begabten jungen Männer zu finanzieren. Andere Studenten wurden von ihren eigenen Familien unterstützt, um sich einige Jahre ausschliesslich dem Studium des Talmud widmen zu können.

Einer der ersten Rabbiner, der die Jeschiwa in Mattersdorf leitete, war Rabbiner Arje Loeb Frankfurter. Ende des 18. Jahrhunderts wirkte Rabbi Jirmeja Mattersdorf als Rosch Jeschiwe; einer seiner Schüler war die grosse chassidische Leitfiigur Rabbiner Simche Bunim aus Pschis‘cha.

Auch Rabbi Mosche Sofer, der nach seinem Hauptwerk benannte Chatam Sofer, war von 1798 bis 1805 Rabbiner in Mattersdorf und zog viele seiner Schüler mit sich, bevor er Rabbiner in Pressburg wurde. Nach dem Chatam Sofer kamen Rabbi Simcha Bunim Eger, der Bruder des Akiva Eger und Rabbi Meir Almas nach Mattersburg, sowie Gerschon Bockstadt, auch Gerschon Chajes genannt, der später nach Nikolsburg zog. Die Jeschiwa wurde bedeutend grösser, als Rabbi Schimon Sofer, der Sohn des Chatam Sofer, 1842 nach Mattersburg kam. Er blieb 15 Jahre und ging dann als Rabbiner nach Pápa und später nach Krakau. In seine Amtszeit fiel die Trennung zwischen neologen und orthodoxen jüdischen Gemeinden Ungarns. Für Matterdorf war es eine Selbstverständigkeit, sich der Trennungsorthodoxie anzuschliessen. 1877 kam Rabbiner Samuel Ehrenfeld nach Mattersdorf, unter dessen Leitung die Jeschiwa wieder ihren alten Glanz erreichte. Bis zum Jahre 1938 blieb die Leitung der Jeschiwa in den Händen der Rabbiner aus der Familie Ehrenfeld.

Viele Gemeindemitglieder verdienten sich ihren Lebensunterhalt als Hausierer. Die Gemeinde hatte Anfang des 19. Jahrhunderts Verträge mit den benachbarten Städten Ödenburg und Wiener Neustadt in Niederösterreich abgeschlossen, die es ihnen ermöglichte, in diesen Städten gegen Zahlung von Gebühren Handel zu treiben. Bis 1848 war es Juden generell verboten gewesen, sich in Niederösterreich aufzuhalten.

Wie die meisten burgenländischen Gemeinden hatte auch Mattersdorf eigene Minhagim. So berichtet der in Wien tätige Rabbiner Max Grunwald vom Schulklopfen, das die Mattersdorfer Juden zum Minjan rufen sollte. Der Schammes (der Synagogendiener) macht sich auf die Runde, nachdem er die Synagoge vorbereitet hat, indem er die Kerzen und das Ner tamid angezündet hat. Zuerst erbittet er vom Gemeindevorsteher und vom Rabbiner die Erlaubnis zum Klopfen. Von der Synagoge aus wendet er sich nach rechts und beginnt mit einem nur zu diesem Zweck bestimmten Holzhammer zu klopfen. Er klopft an jeder Tür drei Mal, mit einer kurzen Pause zwischen dem ersten und dem zweiten Mal. Bei einem Todesfall vor der Beerdigung sowie am allgemeinen Trauertag Tischa beAw wird nur zwei Mal geklopft. Am Schabbat und an Feiertagen wird zum Morgengebet gerufen. Den Frauen war es in Mattersdorf vorgeschrieben, kurz vor dem Ende des Morgengebets am Schabbat die Synagoge zu verlassen, um sich nicht mit den Männern zusammen vor der Synagoge aufzuhalten. Es war in Mattersdorf verbreitet, dass Frauen das Morgengebet auch an Wochentagen besuchten, insbesonders am Montag und am Donnerstag, wenn aus der Thora vorgelesen wurde.

Im Jahr 1903 verlor die jüdische Gemeinde Matterdorf ihre Autonomie und wurde mit der christlichen Gemeinde zusammengelegt. Im Frühjahr 1938, wenige Wochen nach dem Anschluss, wurden die Juden aus Mattersdorf vertrieben und gelangten nach Wien, von wo aus sie versuchten, ins Ausland zu fliehen. Anfang Oktober 1938 wurde in der lokalen Presse berichtet, dass am 29. und 30. September 1938 die letzten Juden Mattersburg verlassen hätten und die Stadt „gänzlich judenrein“ wäre. Die Synagoge wurde von den Nazis ihrer Kunstgegenstände beraubt und 1940 gesprengt. Von der blühenden Gemeinde Mattersdorf ist nur mehr ein Friedhof übriggeblieben.

Nachdem der Staat Israel gegründet wurde, richtete Oberrabbiner Samuel Ehrenfeld, der letzte Rabbiner der Gemeinde Mattersburg, den Ortsteil Kirjat Mattersdorf in Jerusalem ein, in dem bis heute vor allem viele ehemalige burgenländische Juden und ihre Nachfahren leben.

 

 

 

 

Literatur:

Zur Geschichte der Juden im Burgenland. Österreichisches Jüdisches Museum Eisenstadt 1993

Johannes Reiss: Geschichte der Juden und jüdische Geschichte im Burgenland. in: Fritz Mayerhofer und Ferdinand Oppel: Juden in der Stadt

„Erwerbsteuer-Schein für den Hausierer David Moses aus Mattersdorf“, Gerhard Milchram in David, Heft Nr. 67, Dez. 2005

 

 

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