Synagogen in Ostereich / Synagogues in Austria


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IKG Horn

 

Stadtgraben 25

 

1903

 

Eingeweiht

Inaugurated

1903

Letzter Rabbiner

Last Rabbi

Dr. Meir Gabriel Mehrer (Wien/Vienna)

Erste Erwähnung der Gemeinde

First Mention of the Community

1863

Politischer Bezirk

Political District

Horn

Anzahl der Gemeindemitglieder

Number of Community Members

1857-7

1880-89

1905-200 (Kultusgemeinde)

1910-52

1930-62

1938-35

1938-249 (Kultusgemeinde)

Pogromnacht

Pogrom Night

demoliert und ausgeräumt

demolished and its interior equipment removed

1938-1945

enteignet und zweckentfremdet

Confiscated and profaned

Nach 1945

After 1945

Rückgabe an IKG Wien und Verkauf an Privatperson

Returned to IKG Vienna and sold to private person

Heute

Today

Privatbesitz

private property

 

Zu Beginn des 14. Jahrhundert schlossen sich Juden nicht nur zu den grossen Gemeinden in Wien, Wiener Neustadt oder Krems zusammen, sondern siedelten sich auch in kleinen niederösterreichischen Städten wie Horn oder Eggenburg an. 1338 wurden auch die Horner Juden Opfer der von Pulkau ausgehenden Verfolgungen der jüdischen Bevölkerung. Wahrscheinlich lebten später wieder Juden in Horn, doch nach dem allgemeinen Ausweisungsbefehl aller in Österreich lebenden Juden durch Kaiser Leopold I. im Jahr 1670 konnten sich bis zum 19. Jahrhundert keine Juden mehr in Horn ansiedeln.

In der Mitte des 19. Jahrhundert liess sich Josef Schlesinger aus Piesling in Altenburg nieder, das zum Bezirk Horn gehörte, und eröffnete eine Gemischtwarenhandlung. Bald darauf, im Jahre 1857, zog die erste jüdische Familie nach Horn. 1863 gründeten die neun jüdischen Familien, die zum grössten Teil aus Mähren und Böhmen stammten und sich in Horn angesiedelt hatten, eine Religionsgemeinschaft. Gabriel Sabl aus Bisenz in Mähren wurde als Religionslehrer eingestellt und fungierte auch als Vorbeter und Schächter. 1870 gründete die Religionsgemeinschaft die „Ständige israelitische Betgenossenschaft in Horn“. 23 Mitglieder der Betgenossenschaft etablierten daraufhin eine Chewra Kadischa. 1873 beschloss die Betgenossenschaft, sich zur "Israelitischen Kultusgemeinde Horn" zu konstituieren. Im gleichen Jahr erwarb die Kultusgemeinde drei Parzellen auf einem Feld südöstlich der Stadt Horn, um einen Friedhof einzurichten.

Der erste Rabbiner in Horn war Isaak Leopold Rosner. Nach Rosners Tod im Oktober 1892 übernahm Dr. Adolf Diamant aus Schaffa in Mähren dessen Amt. Ihm folgte Isaak Leopold Löwy. Der letzte Rabbiner der Kultusgemeinde war Dr. Meir Gabriel Mehrer aus Wien.

Nach der Gründung der Kultusgemeinde in Horn wurden Gottesdienste in verschiedenen gemieteten Räumen abgehalten. Um ein ständiges Bethaus einrichten zu können, beschloss der Gemeindevorstand 1903, das Haus am Stadtgraben 25 zu kaufen. Die Gemeinde richtete ihre Synagoge in diesem Gebäude ein, welches auch als Schule und Gästehaus fungierte. Auch die Mikwe wurde in dem Haus untergebracht.

Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung in Österreich im März 1938 traten auch in Horn die judenfeindlichen Bestimmungen in Kraft. In einer antisemitisch aufgeheizten Atmosphäre wurde der jüdische Friedhof mehrmals verwüstet. Am 18. September 1938 befahl die Kreisleitung der NSDAP allen Horner Juden, die Stadt innerhalb von 24 Stunden zu verlassen. Sie mussten sich in der Synagoge versammeln und wurden nach Wien transportiert. Die meisten von ihnen kamen später in den Konzentrationslagern der Nazis ums Leben.

Einen Tag vor ihrer Vertreibung wurden Ferdinand Pollatschek, der Vorsteher der Kultusgemeinde, sowie Mitglieder des Gemeindeausschusses gezwungen, ein Dokument zu unterschreiben, durch das die Synagoge, der jüdische Friedhof und alle anderen Besitztümer der Kultusgemeinde unentgeltlich der Stadtgemeinde Horn übertragen wurden. Zusätzlich musste Ferdinand Pollatschek einen notariell beglaubigten „Schenkungsvertrag“ unterzeichnen. Daraufhin profanisierte die Stadtverwaltung die Synagoge und vermietete das Gebäude. Die Stadt eignete sich nicht nur die Gemeindeinstitutionen widerrechtlich an, sondern auch private Liegenschaften jüdischer Besitzer.

Obwohl in der Pogromnacht zum 10. November 1938 keine Juden mehr in Horn lebten, zertrümmerten die Anhänger der örtlichen NSDAP die Fenster- und Auslagescheiben zahlreicher Häuser und Geschäfte jüdischer Besitzer. Auch die Fenster der ehemaligen Synagoge und der Leichenhalle auf dem jüdischen Friedhof wurden eingeschlagen. Das bewegliche Gut, wie Möbel und Kultgegenstände, das sich in diesen Gebäuden befand, wurde von der SA beschlagnahmt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Besitz der ehemaligen jüdischen Gemeinde Horns an deren Rechtsnachfolger, die Kultusgemeinde Wien, zurückgestellt. 1971 verkaufte die Kultusgemeinde das Haus Stadtgraben 25 an eine Privatperson.

Literatur:

- Genée, Pierre, Synagogen in Österreich, Wien, 1992

- David, Jüdische Kulturzeitschrift in Österreich

- Rabl, E., ‘Die Juden in Horn’ in Polleross, F., “Die Erinnerung tut zu weh”, Horn/Waidhofen, 1996

- Milchram, G., „Kehila Kadoscha Neunkirchen“, Wien, 1997

- Rabl, E. ´Die jüdische Bevölkerung Horns: ertrieben und ausgelöscht` in Horner Kalender, 118. Jahrgang, 1989

 

Summary in English:

In the 14th century, Jews settled in the smaller towns of Lower Austria such as Horn and Eggenburg. Jewish community life in Horn in the Middle Ages ended with Leopold I’s expulsion order in 1670.

In mid-19th century, a Jewish man called Josef Schlesinger settled in the village of Altenburg which belonged to the district of Horn.  In 1863, nine recently settled Jewish families founded a religious association.  Gabriel Sabl, who was employed as the association’s teacher of religion, also functioned as cantor and as shochet (ritual slaughterer). In 1870, the association founded the Ständige israelitische Betgenossenschaft in Horn (Permanent Jewish Prayer Society of Horn).  Twenty-three members of the prayer society went on to establish a chevra kadisha (burial society). In 1873, the Israelitischen Kultusgemeinde Horn (Jewish Congregation of Horn) was officially founded.  In the same year, the community acquired a plot of land south east of Horn for a Jewish cemetery. 

Rabbi Isaak Rosner, Horn’s first rabbi, was succeeded in 1892 by Dr. Adolf Diamant, who was in turn succeeded by Isaak Leopold Löwy. The congregation’s last rabbi was Dr. M. Gabriel Meier-Mehrer, from Vienna.

Following the official founding of the congregation, religious services were initially held in several rented premises. A permanent synagogue was later established in a house at 25 Stadtgraben. The house had been bought for this purpose. The synagogue building also housed a school, a guest house and the mikvah (ritual bath).

When Germany annexed Austria in March 1938, the Jews of Horn were affected by the Nazis’ anti-semitic laws. The Jewish cemetery was destroyed several times. On September 18, 1938, all Jews were ordered to leave Horn within 24 hours.  They had to assemble in the synagogue and from there were transported to Vienna.  Most of them lost their lives in the Nazis’ concentration camps. On the day before the expulsion, the Horn congregation’s chairman, Ferdinand Polatschek, and the other members of the committee, were forced to sign a document surrendering, for no cost, the synagogue, the cemetery and all other property belonging to the congregation. The chairman was also forced to sign a so-called “gift contract” witnessed by a notary public. The synagogue was then rented out and used for profane purposes. The town council also took illegal possession of privately-owned Jewish property. Despite Horn’s being “Judenrein” (“free of Jews”) in 1938, on Pogrom Night in November of that year, Nazi party members still smashed the windows of what had been Jewish houses. The windows of the synagogue and of the funeral hall in the cemetery were also broken.  All movable goods were confiscated by the SA.

After World War II, the remaining property of Horn’s former Jewish community was restored to the community’s legal successor, the Kultusgemeinde (Jewish Congregation) of Vienna. In 1971, the Viennese congregation sold the former synagogue building at 25, Stadtgraben to a private individual.