IKG Klosterneuburg
Kierlingerstrasse 12, Ecke/ Corner of Medekstrasse

Zeichnung 1914
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Erbaut
Built
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1913-1914
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Letzte Rabbiner
Last Rabbis
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Dr. Arnold Frankfurter (St.
Pölten), Wilhelm Steiner
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Erste Erwähnung der Gemeinde
First
Mention of the Community
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1852
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Gerichtsbezirke
Judicial Districts
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Klosterneuburg, Tulln, Atzenbrugg, Kirchberg am Wagram
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Anzahl der Gemeindemitglieder
Number of Community Members
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1890-500 (Kultusgemeinde)
1938-300
1938-714 (Kultusgemeinde)
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Pogromnacht
Pogrom Night
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Brandschaden
Fire damage
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1938-1945
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Unterkunft für die Hitlerjugend
Shelter for Hitlerjugend
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1945-heute
1945-today
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1991 abgerissen
Torn down 1991
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Heute
Today
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Wohnhaus
Apartment
Building
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In
Klosterneuburg gab es im Mittelalter eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden
Niederösterreichs. Urkundlich wurden Juden hier seit dem 12. Jahrhundert
erwähnt. Den Mittelpunkt
der Gemeinde bildete die Synagoge, die sich auf dem Areal des heutigen
Schmiedhofes befunden haben soll. Neueren topographischen Untersuchungen zufolge
wird der Standort der mittelalterlichen Synagoge jedoch in der heutigen
Albrechtsbergergasse 4 vermutet. 1421 zerstörten die unter
Herzog Albert V. mit der Bezeichnung ‘Wiener Gesera’ bekannt gewordenen
gewalttätigen Ausschreitungen gegen Juden die Existenz der jüdischen
Gemeinde in Klosterneuburg.
Über
400 Jahre gab es keine jüdische Gemeinde in Klosterneuburg. Erst nach 1848
siedelten sich Juden aus Szenitz (ehemals Ungarn, heute Slowakei) in
Klosterneuburg an. 1852 gründeten sechzehn Familien den Bethausverein
Klosterneuburg, der einen Betsaal in dem „Strasserhaus“ auf dem Stadtplatz Nr.
9 einrichtete und einen Cheder gründete. Das nach orthodoxem Ritus
geführte Bethaus wurde für 62 Jahre, bis zur Eröffnung der neuen
Synagoge im Jahr 1914, benutzt. 1874 wurde in der Holzgasse ein jüdischer
Friedhof eröffnet. Bis zu diesem Jahr waren die Toten auf dem
jüdischen Friedhof in Wien-Währing bestattet worden. Auch in
Oberstockstall, einem Vorort von Kirchberg am Wagram, gab es Ende des 19.
Jahrhunderts einen jüdischen Friedhof.
1890
schloss sich Klosterneuburg mit der benachbarten jüdischen Gemeinde Tulln
zusammen und gründete die „Israelitische Kultusgemeinde Tulln mit dem
Amtssitze in Klosterneuburg“. Rabbiner Dr. Leopold Weinsberg stand der
neugegründeten Kultusgemeinde vor. Sein Nachfolger, der dieses Amt von
1897 bis 1934 bekleidete, war Dr. Adolf Schächter. Ihm folgte- als letzter Rabbiner der
Kultusgemeinde- Dr. Arnold Frankfurter. Da Rabbiner Schächter und
Frankfurter jedoch hauptamtlich als Rabbiner von St. Pölten tätig
war, wurden die meisten rabbinischen Aufgaben zwischen 1910 und 1938 von
Wilhelm Steiner erfüllt, der an der berühmten von Moses Sofer, dem
Chatam Sofer, gegründeten Pressburger Jeschiwa zum Rabbiner ordiniert worden
war.
Die Juden
in Klosterneuburg entwickelten um die Jahrhundertwende eine rege
Vereinstätigkeit. So gründeten etwa Mitglieder des ehemaligen
Bethausvereins Klosterneuburg die „Israelitische Beerdigungsbruderschaft Chewra
Kadischa Klosterneuburg“. 1911 bauten Mitglieder der Kultusgemeinde den
„Jüdischen Volksverein“ als Ortsgruppe des „Verbandes Zion der
österreichischen Vereine für Kolonisation Palästinas und Syriens
in Wien“ auf. Darüber hinaus wurden der „Jüdische Wohlfahrtsverein
Gegenseitigkeit“ und der „Israelitische Frauenverein“ ins Leben gerufen.
Für
die wachsende jüdische Gemeinde in Klosterneuburg wurde der Betsaal auf
dem Stadtplatz bald zu klein, so dass der Bau einer Synagoge beschlossen wurde.
Aus dem 1906 gegründeten Tempelbaukomitee konstituierte sich 1910 der Tempelbauverein,
der sich die Finanzierung, Errichtung und Erhaltung einer Synagoge in
Klosterneuburg zur Aufgabe stellte.
Bar Mizwah in der Klosterburger Synagoge, links Rabbiner
Wilhelm Steiner (um 1927)
Im August
1914 konnte die Gemeinde ihre neue Synagoge einweihen. Der Bau war nach den
Plänen des Architekten J. Wimmer im Jugendstil gestaltet und zeichnete
sich durch sezessionistische Motive aus. Die Eckbebauung mit ihrer schönen
Rundung wurde zu einem charakteristischen architektonischen Augenmerk im
Stadtbild. Der Innenraum der Synagoge bot 120 Männern Platz, während
auf der Frauengalerie 80 Plätze zur Verfügung standen. Im Aron
Hakodesch befanden sich vier Torahrollen, von denen zwei von dem Bethausverein
in Szenitz stammten. Die dritte Torahrolle wurde 1860 vom Bethausverein
Klosterneuburg erworben. Wilhelm Schweinburg, ein Mitglied der Kultusgemeinde,
spendete die vierte Torahrolle. Die Fenster der Synagoge wurden von
Gemeindemitgliedern gespendet, was mit einer Widmung auf jedem Fenster gewürdigt
wurde.
Im Laufe
der Dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts nahm die gesellschaftliche
Ausgrenzung und Verfolgung der Juden deutlich zu. Die Klosterneuburger Synagoge
wurde mehrmals angegriffen: die Fensterscheiben wurden eingeschlagen und die
Fassade beschmiert. Viele jüdische Familien verließen die Stadt.
Nach dem Anschluss erwartete die Zurückbleibenden neben gesetzlichen
Repressalien und alltäglichen Schikanen die Kennzeichnung mit dem gelben
Stern. In der Folge wurden die Juden nach Wien abtransportiert und von dort in
die Konzentrationslager deportiert.
die brennende
Synagoge in der Pogromnacht

In der
Pogromnacht zum 10. November 1938 stürmten die Nazis die Synagoge,
zerstörten die Einrichtung, vernichteten die Bücher und zündeten
die Synagoge an. Das Bethaus ging in Flammen auf und nur der Umstand, dass in
dem Gebäude bereits zuvor der Bund Deutscher Mädel (BDM)
untergebracht worden war, veranlasste die Feuerwehr, eine völlige
Zerstörung des Gebäudes zu verhindern. Nach der Pogromnacht
missbrauchte die Hitlerjugend für einige Jahre das ehemalige
Synagogengebäude.
Nach
Kriegsende wurde das Gebäude weiterhin für profane Zwecke genutzt.
1991 wurde die ehemalige Synagoge abgerissen. Auf dem Platz wurde ein Wohnhaus
errichtet. Am 8. November 2002 weihten Würdenträger der Stadt und der
Israelitischen Kultusgemeinde Wien eine Tafel zum Gedenken an die Synagoge und
die 280 von den Nazis vertriebenen Klosterneuburger Juden ein.
1981
Literatur:
- Genée,
Pierre, Synagogen in Österreich, Wien, 1992
- David, Jüdische Kulturzeitschrift
in Österreich
- Erber, H., ‘Aus
der Geschichte der Juden in Klosterneuburg’ in Moses, L. (Hrsg.), Jüdisches
Archiv. Zeitschrift für Jüdisches Museal- und Buchwesen,
Geschichte, Volkskunde und Familienforschung, Heft 1-2, 5-6, 6, Wien, 1928
- ‚Vor 50 Jahren: Anschlag auf
jüdische Synagoge’ in Niederösterreichische Nachrichten,
45/1988
- Niederösterreichische Kulturberichte, 7-8/81, Ilse
Schütz, ´Klosterneuburg in der "Kristallnacht"´, 2/92
- Klosterneuburg. Geschichte und Kultur,
Bd. 1, Stadtgemeinde Klosterneuburg (Hrsg.), 1992
- Die Entwicklung des Vereinswesens
in Klosterneuburg von 1867 bis zur Gegenwart
(Diplomarbeit), M. Duscher, Wien, 1989
- Die Gemeinde
Summary in
English:
KLOSTERNEUBURG, in the Middle
Ages, was home to one of Lower Austria’s most
important Jewish communities, whose existence was documented from the 12th
century onwards. The community’s synagogue was said to have stood in the area
of today’s Schmiedhof. According to more recent topographic surveys, however,
the location of the medieval synagogue may have been what is known today as 4, Albrechtsbergergasse.
In 1421, anti-Jewish riots, later referred to as the “Viennese Gezera”
destroyed the local Jewish community. Not until 1848 – more than 400 years
later, when Jews from Senica (formerly in Hungary, now in Slovakia)
settled in the town - did a Jewish community exist once again in
Klosterneuburg.
In 1852, the “Synagogue Congregation of Klosterneuburg”
was founded by sixteen Jewish families, who established a prayer hall at 9, Stadtplatz
and founded a Cheder (Jewish elementary school). The prayer hall
functioned according orthodox principles and was used until the inauguration of
a new synagogue in 1914. Prior to the opening of a Jewish cemetery in the Holzgasse
in 1874, the community’s deceased were buried in Wien-Währing.
In 1890, the Klosterneuburg Jews amalgamated with the Jewish community
in nearby Tulln and together they founded the Israelitische Kultusgemeinde
Tulln mit dem Amtssitze in Klosterneuburg (Jewish
Congregation of Tulln with a Central Office in Klosterneuburg). Dr.
Leopold Weinsberg was rabbi of the newly established community. His successor,
Dr. Adolf Schächter, who served from 1897 until 1934, was himself succeeded
by the man who was to be the last rabbi of the Kultusgemeinde, Dr. Arnold
Frankfurter. Both Rabbi Schächter and Rabbi Frankfurter worked mainly in
St. Pölten. Therefore, from 1910 until 1938, most rabbinical duties in
Klosterneuburg were performed by Wilhelm Steiner, who had been ordained as a
rabbi at the famous Yeshiva of Pressburg, founded by the renowned Rabbi Moses
Sofer.
Jewish
community life in Klosterneuburg was very active at the turn of the 20th century,
when the community members who had originally founded the former prayer hall established
the Klosterneuburg Chevra Kadisha (Jewish Burial Society of
Klosterneuburg). In 1911, members of the congregation founded the “Jewish Popular Association” as the local branch of the
“Zionist Association of Austrian Societies in Vienna for the Colonization of Palestine and Syria.” A “Jewish
Mutual Welfare Association” and a “Jewish Ladies’ Association” were also
established.
August 1914 saw the
inauguration of the new synagogue. There were 120 seats for men and 80 for
women. The synagogue had four Torah scrolls.
In the 1930s, social
ostracism and persecution of Jews increased notably. The Klosterneuburg synagogue
was attacked several times; its windows were smashed and its façade smeared
with paint. Many Jewish families left town. Those who stayed were later forced
to wear the yellow star; eventually they were transported to Vienna and deported from there to the concentration
camps.
On Pogrom Night, November 9/10, 1938, Nazis attacked the synagogue
and burned it to the ground, along it its books and other contents. The fire
brigade intervened to prevent the total destruction of the synagogue building, because,
by that time, it housed a branch of the Bund Deutscher Mädchen (Union
of German Girls).

The destroyed synagogue on Pogrom
Night
After the war ended, the synagogue building was used for a variety
of profane purposes until it was eventually demolished in 1991 and residential
building erected in its place. On November 8, 2002, a plaque
commemorating the synagogue and the 280 expelled Jewish citizens of
Klosterneuburg was unveiled by dignitaries of the city and representatives of the
post-war Jewish congregation.