Synagogen in Ostereich / Synagogues in Austria


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IKG Krems

 

Dinstlgasse 2

                       1930

 

Erbaut

Built

1893-1894

Letzter Rabbiner

Last Rabbi

Dr. Meir Gabriel Mehrer (Wien/Vienna)

Erste Erwähnung der Gemeinde

First Mention of the Community

1848

Gerichtsbezirke

Judicial Districts

Gföhl, Krems, Langenlois, Mautern, Pöggstall, Spitz

Anzahl der Gemeindemitglieder

Number of Community Members

Kultusgemeinde:

1869-179

1880-595

1905-427

1924-310

1934-220

1838-197

Pogromnacht

Pogrom Night

Ausgeräumt und demoliert

Demolished and its Interior Equipment Removed

1938-1945

enteignet und zweckentfremdet

Expropriated and profaned

1945-heute

1945-today

1978 abgerissen

Demolished 1978

Heute

Today

Bürohaus

Office building

Von der Mitte des 13. Jahrhunderts an ist die Niederlassung von Juden in Krems belegt. In einer Urkunde aus dem Jahr 1390 wird eine Synagoge erwähnt. Diese “Judenschul” befand sich nahe des Spitals zwischen Oberer Landstrasse und Judengasse. Krems entwickelte sich zu dem Sitz einer der bedeutensten jüdischen Gemeinden im mittelalterlichen Ősterreich. In der Gemeinde wirkten herausragende Persönlichkeiten wie Rabbi Israel, der Urgrossvater Rabbi Israel Isserleins, und Rabbi Aaron Blumlein. 1420 wurde auch die Kremser Gemeinde Opfer der unter dem Namen Wiener Geserah bekannt gewordenen Verfolgungen der jüdischen Bevölkerung.  

 

Erst im 19. Jh. konnte es wieder zu der Gründung einer jüdischen Gemeinde in Krems kommen. In den Vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts ließen sich Juden aus Böhmen, Mähren und Ungarn in Krems nieder. 1848 richtete die Gemeinde ein Bethaus ein, über dessen Standort nichts bekannt ist. 1852 verfassten Mitglieder der jüdischen Gemeinde einen Statutenentwurf für einen israelitischen Betverein, der jedoch vom Kultusministerium nicht genehmigt wurde. 1853 richtete die Gemeinde einen kleinen Friedhof weit ausserhalb der Stadt Krems inmitten von Weingärten ein. Auch die verstorbenen Mitglieder der jüdischen Gemeinde St. Pölten wurden hier beigesetzt.

Ab Juni 1855 fungierte Moses Beer Schön als Rabbiner in Krems. Ihm folgte Aron Frischauer aus Alsò Lendva in Ungarn, der 1860 urkundlich erwähnt wird. 1862 konstituierte sich die Israelitische Religionsgenossenschaft in Krems, die 1878 den Rabbiner Adolf Hahn einstellte. Sein Nachfolger wurde 1881 Dr. David Weiss, der bis zu seinem Tod im Jahr 1904 in der Gemeinde wirkte.

Da der jüdische Friedhof nicht vergrössert werden konnte, entschloss sich die Gemeinde, eine neue Beerdigungsstätte östlich des christlichen Friedhofes in der Wienerstrasse 57 einzurichten. Der Beerdigungsplatz wurde 1882 eingeweiht und besteht heute noch.

1892 konstituierte sich die “Israelitische Kultusgemeinde Krems”. Nachdem es bereits seit den 1870er Jahren Pläne für den Bau einer Synagoge gab, erwarb die Kultusgemeinde 1892 das Grundstück Dinstlgasse 2, auf dem in den Jahren 1893/94 die Kremser Synagoge errichtet wurde. Der wiener Architekt Max Fleischer entwarf, dem Standort angepasst, eine Landsynagoge im Renaissancestil. Die Hauptfassade des Gebäudes, die der Strasse zugewandt war, war zweigeschossig und besaß drei Eingangstore. An der oberen Front des Gebäudes waren zwei Tafeln mit den Zehn Geboten angebracht. Die Bimah und der Aron Hakodesch wurden zusammen an der östlichen Wand des Betraumes aufgestellt und waren über einige Stufen zu erreichen. Diese Anordnung entsprach dem Wunsch der Gemeinde nach Anpassung an die österreichische Gesellschaft indem Synagogen architektonisch den Kirchen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angeglichen wurden.

Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten beschloss die Kultusgemeinde nach dem Tod des Rabbiners Dr. David Weiss im Jahr 1904, den in Horn tätigen Dr. Jakob Diamant als gemeinsamen Rabbiner für die Kultusgemeinden Krems und Horn zu bestellen. Ihm folgte im Februar 1912 Moritz Singer. Im September 1912 übernahm Dr. Meir Gabriel Mehrer aus Wien das Amt und stand der Gemeinde bis zu deren Zerstörung 1938 vor.

 

 Zeichnung aus dem Ende des 19. Jh. 

In den Zwanziger und Dreissiger Jahren des 20. Jahrhundert verließen zahlreiche Mitglieder der jüdischen Gemeinde Krems und zogen in grössere Städte, da Krems abseits der ökonomischen Entwicklung Österreichs lag. Auch die relativ starke Präsenz der NSDAP in Krems und Hitlers Machtergreifung in Deutschland 1933 bewog viele Kremser Juden, in anonymere Städte wie Wien oder ins Ausland zu ziehen.

Nach dem Anschluss und der Übernahme der Stadtverwaltung durch die NSDAP waren auch die Kremser Juden Entwürdigung und Terror ausgesetzt. Die Synagoge wurde mit Hakenkreuzen beschmiert. Im September 1938 wurde die jüdische Gemeinde aufgefordert, ihre Synagoge zu räumen, da die Kreisverwaltung beschlossen hatte, das Gebäude sudetendeutschen Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Während der Räumungsarbeiten wurden die Mitglieder der jüdischen Gemeinde von der SA und Kremser Zivilpersonen auf entwürdigende Art und Weise misshandelt. Am darauffolgenden Tag zwang die Kremser Stadtverwaltung den Vorsteher der jüdischen Gemeinde, einen “Schenkungsvertrag” zu unterschreiben, in dem die Kultusgemeinde der Stadt die ehemalige Synagoge übergab. Auch der Friedhof wurde enteignet.

In der Pogromnacht am 10. November 1938 ordnete die SS an, Türen und Fenster des Synagogengebäudes sowie die der Häuser und Geschäfte jüdischer Eigentümer zu zertrümmern. Auch die Fassade des ehemaligen Bethauses wurde beschädigt und der Innenraum verwüstet.

Viele Juden flohen ins Ausland oder nach Wien. Diejenigen, die in Krems blieben, wurden nach Wien und später in die Konzentrationslager deportiert. 1940 befanden sich keine Juden mehr in Krems.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam nur ein Jude nach Krems zurück. Die ehemalige Synagoge wurde 1952 in den Besitz der Israelitischen Kultusgemeinde Wien zurückgestellt und von dieser 1974 verkauft.  Das Gebäude wurde 1978 abgerissen. Heute steht ein Bürohaus auf dem Platz der ehemaligen Kremser Synagoge. 1988 wurde auf dem jüdischen Friedhof ein Denkmal für die zerstörte Kremser Gemeinde gesetzt. Um auf den Friehof zu gelangen, überschreitet man ein 43 Meter langes Metallband, auf dem die 127 Namen der ermordeten und vertriebenen Kremser Juden eingraviert sind.

                   vor dem Abriss 1978

Literatur:

- Genée, Pierre, Synagogen in Österreich, Wien, 1992

- David, Jüdische Kulturzeitschrift in Österreich

- Heidrich-Blaha, R., ‘Die Synagoge in Krems von Max Fleischer’ in Polleross, F., “Die Erinnerung tut zu weh”, Horn/Waidhofen, 1996

Streibel, R., “Und plötzlich waren sie alle weg…” in K. Schmid/R. Streibel, “Der Pogrom 1938”, Wien, 1990

- H. Hruschka, “Die Geschichte der Juden in Krems an der Donau von den Anfängen bis 1938”, Wien, 1978 (Dissertation)

- Verein Kultur im Alltag. Arbeitsgemeinschaft zur Restaurierung jüdischer Friedhöfe in Niederösterreich, Krems 1938-1945, Lesebuch Bd. 1, Wien, 1988, 2. Auflage

- Die Gemeinde

 

Summary in English:

 

Documentary proof exists of a settlement of Jews in Krems in the 13th century. A synagogue is mentioned in a written record from 1390. Krems went on to become home to one of the most important Jewish congregations in medieval Austria. Outstanding men such Rabbi Israel (who was the great grandfather of Rabbi Israel Isserlein) and Rabbi Aaron Blumlein lived active lives within the Krems community. In 1420, the Jews of Krems were victimized during the anti-semitic persecutions now known as the Viennese Gezera.

Not until the 19th century would a Jewish community exist again in Krems. In the 1840s, Jews from Bohemia, Moravia and Hungary settled there. The community established a prayer hall in 1848, the location of which remains unknown. In 1853, the community opened a small cemetery in the middle of some vineyards, far away from the town itself. This cemetery was also used by members of the Jewish community of St. Pölten.

Moses Beer Schön was appointed rabbi of Krems in June 1855. Documents from 1860 indicate that he was succeeded by Aron Frischauer from Alsó Lendva, in Hungary. In 1862, the Jewish Religious Association of Krems was formed. In 1878, the association employed Adolf Hahn as its rabbi. Rabbi Hahn was succeeded in 1881 by Dr. David Weiss. Weiss served as rabbi until his death in 1904.

Since the Jewish cemetery could not be enlarged, the community decided to open a new burial ground east of the Christian cemetery, at 57 Wienerstraβe. The cemetery was dedicated in 1882.

In 1892, the Israelitische Kultusgemeinde  (Jewish Congregation) of Krems was officially founded. In that year, the congregation acquired a plot of land at 2, Dinstlgasse for the construction of a synagogue. The synagogue was built in 1893/94.

After the death of Rabbi Dr. David Weiss (in 1904), the congregation decided, due to financial difficulties, to hire Rabbi Dr. Jakob Diamant of Horn to serve the congregations of both Horn and Krems. Rabbi Diamant was succeeded in February 1912 by Moritz Singer. In September 1912, the rabbi’s post was filled by Dr. Meir Gabriel Mehrer from Vienna, who was spiritual head of the congregation until its destruction in 1938.

In the 1920s and 1930s, for economic reasons and owing to the strong presence of the Nazi party in Krems, many Jews left the town and moved to larger cities. Hitler’s coming to power in Germany in 1933 provided yet more impetus for Jews to leave.  

After the Anschluss (annexation of Austria by Germany), the town administration in Krems was taken over by the Nazis, who subjected local Jews to humiliation and terror. The synagogue was daubed with swastikas. In September 1938, the Jewish community was ordered to vacate the synagogue which was to be placed at the disposal of refugees from the Sudetenland. Jews were abused by the SA and the local townspeople. The Krems municipal authorities forced the community chairman to sign a so-called “gift contract” surrendering ownership of the synagogue. The cemetery was also confiscated.

On Pogrom Night, November 9/10, 1938, the SS ordered that the doors and windows of the synagogue and of Jewish houses and stores be smashed. The synagogue was destroyed.

Many Jews fled abroad or to Vienna. Those who remained in Krems were eventually deported to Vienna and from there to concentration camps. In 1940, there were no Jews left in Krems. Only one Jew came back to the town after the war. In 1947, the synagogue was handed over to the post-war Jewish Congregation of Vienna, which sold the building in 1974. The former synagogue was eventually torn down in 1978. Today, an office building stands on the site of the former synagogue of Krems.