Synagogen in Ostereich / Synagogues in Austria


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Laa an der Thaya

 

Burgplatz- Ecke Kirchenplatz 16

 

Betsaal im 1. Stock, um 1900

 

Eingeweiht

Inaugurated

ca. 1900

Letzter Rabbiner

Last Rabbi

Fischhof

Erste Erwähnung der Gemeinde

First Mention of the Community

1863

Anzahl der Gemeindemitglieder

Number of Community Members

1900- mehr als 30 Familien

        - more than 30 families

1938- ca. 30 Familien

        - app. 30 families

Pogromnacht

Pogrom Night

nicht zerstört

not destroyed

Nach 1938

After 1938

aufgelöst

Heute

Today

Steht leer

Unoccupied

 

Der älteste Beleg über die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Laa an der Thaya stammt aus dem 13. Jahrhundert. 1338 wurden die Juden in dem naheliegenden Pulkau bezichtigt, eine Hostie entweiht zu haben. Die darauffolgende Verfolgung der jüdischen Bevölkerung erfasste auch Laa an der Thaya. Obwohl in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts Juden nach Laa zurückkehrten, entstand bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts keine jüdische Gemeinde in der Stadt.

1863 liess sich Bernhard Drill, ein aus Nikolsburg (heute Mikulov in Tschechien) stammender Jude, in Laa an der Thaya nieder. Bald darauf entstand eine jüdische Gemeinde, die sich der 1890 konstituierten Israelitischen Kultusgemeinde Mistelbach anschloss. Um die Jahrhundertwende richtete die Gemeinde in Laa einen Betsaal im 1. Stock des Hauses Burgplatz Ecke Kirchenplatz 16 ein. Betreut wurde die Gemeinde von Rabbinern aus anderen Städten. In den Jahren 1908 und 1909 versah Dr. Sigmund Gelbhaus aus Wien die rabbinischen Aufgaben. Rabbiner Fischhof betreute die Gemeinde vor deren Zerstörung 1938.

Anfang der Dreissiger Jahre nahm die Anzahl der Nationalsozialisten in Laa stetig zu. Mit dem Anschluss im März 1938 wurden die Laaer Juden völlig ihrer Würde und Rechte beraubt. Ihr Besitz wurde enteignet und der Betsaal auf dem Burgplatz geschlossen. Auch in Laa zwangen Nazis Juden zu den sogenannten „Reibpartien“, bei denen die Juden mit bloßen Händen oder Zahnbürsten und scharfer Lauge Straßen und Wände reinigen mussten. Viele jüdische Familien flüchteten nach Wien oder nach Tschechien. Andere Familien bemühten sich um eine Einreiseerlaubnis ins Ausland, doch den meisten gelang die Flucht nicht. Sie wurden in die Konzentrationslager deportiert. Am 23. September 1938 berichteten die „Laaer Nachrichten“, dass sich in Laa an der Thaya keine Juden mehr befänden.

Das Haus am Burgplatz, in dem der ehemalige Betsaal untergebracht war, existiert heute noch; es steht jedoch leer und befindet sich in einem sehr verwahrlostem Zustand. Als einziger Inventargegenstand ist eine Sammelbüchse mit der hebräischen Aufschrift „Mattan Beseter“ (= anonyme Spende) erhalten geblieben.

         

            1991

 

Literatur:

- Genée, Pierre, Synagogen in Österreich, Wien, 1992

- David, Jüdische Kulturzeitschrift in Österreich

 

 

Summary in English:

 

The earliest record of the existence of a Jewish community in Laa an der Thaya comes from the 13th century. In 1338, the Jews in neighboring Pulkau were accused of host desecration. The ensuing persecution of the Jewish population affected Jews in Laa an der Thaya too. Although Jews returned to Laa in the second half of the 14th century, no Jewish community was founded there until the mid-19th century.

A Jewish man by the name of Bernhard Drill, who was from Nikolsburg (today the town of Mikulov in the Czech Republic) settled in Laa in 1863. Not long afterwards, a Jewish community came into being, and became affiliated to the Kultusgemeinde (Jewish Congregation) of Mistelbach. At the turn of the 20th century, Laa’s Jewish community established a prayer hall at 16, Ecke Kirchenplatz. The community was served by rabbis from various other towns. Dr. Sigmund Gelbhaus from Vienna performed rabbinical duties in 1908/9. Rabbi Fischhof was the last rabbi to serve the community before its destruction in 1938.

After the Anschluss (annexation of Austria by Germany) in March 1938, the Jews of Laa were deprived of their dignity and rights. Their homes were expropriated and the prayer hall was closed down. Just was done in other towns, the Nazis forced Jews to clean streets and walls with their bare hands or tooth brushes, using strong alkaline solutions. Many Jewish families fled to Vienna or to Bohemia. Others tried to obtain entry visas to other countries. Most of them did not succeed, and were deported to the concentration camps. On September 23, 1938, the Laaer Nachrichten (Laa News) reported that there were no Jews left in the town.

The building which housed the former prayer room still exists but is empty and in a derelict state. The only surviving relic is a collection box bearing the Hebrew inscription matan beseter (anonymous donation).