IKG Mistelbach
Oserstraße 24 / Ecke Gartenstraße 14
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Erbaut
Built
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1895
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Letzter Rabbiner
Last Rabbi
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Dr. Israel Taglicht (Wien)
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Erste Erwähnung der Gemeinde
First
Mention of the Community
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1880
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Gerichtsbezirke
Judicial Districts
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Mistelbach,
Teil von Gänserndorf, Hohenau, Laa an der Thaya
Mistelbach, part of Gänserndorf,
Hohenau, Laa an der Thaya
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Anzahl der Gemeindemitglieder
Number of Community Members
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1890-81
1890-1073 (Kultusgemeinde) ?
1900-140
1934-94
1938-382 (Kultusgemeinde) ?
März / March 1938-70
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Pogromnacht
Pogrom Night
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nicht zerstört
not destroyed
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1938-1945
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enteignet und
als Magazin/Unterkunft für Zwangsarbeiter missbraucht
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1945-heute
1945-today
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1976 abgerissen
Demolished 1976
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Heute
Today
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Wohnhaus
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Es ist bekannt, dass sich im 14. Jahrhundert Juden
in Mistelbach angesiedelt hatten, die 1338 der von Pulkau ausgehenden
gewaltvollen Verfolgung der jüdischen Bevökerung in
Niederösterreich zum Opfer fielen. Einzelheiten über das
jüdische Leben im mittelalterlichen Mistelbach fehlen. Wahrscheinlich gab
es nach dem Pogrom bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts keine jüdische
Gemeinde in Mistelbach.
1890 zählte die
jüdische Gemeinde genug Mitglieder, um sich zu der ‚Israelitischen
Kultusgemeinde Mistelbach‘ zu konstituieren. Ein Bethaus kann bereits für das Jahr 1889
nachgewiesen werden. Es befand sich wahrscheinlich in dem Wohnhaus des Kantors
Sigmund Jellinek in der Annagasse.
1895
wurde nach den Plänen des Wiener Architekten Friedrich Schön und
unter der Leitung des Baumeisters Josef Dunkl in der Oserstrasse 24 eine
Synagoge errichtet und am 25. Februar 1896 feierlich eingeweiht. Der rote
wohlproportionierte dreischiffige Backsteinbau war ein typisches Beispiel
ländlicher Synagogenarchitektur und zeichnete sich durch ein großes
Rosettenfenster mit einem Davidsstern aus. 1898 legte die Gemeinde in
Mistelbach einen Friedhof in der heutigen Wald Straße 104 an, der heute
noch existiert.
Die
Kultusgemeinde, die eine Chewra Kadischa und einen Israelitischen
Frauenwohltätigkeitsverein gründete, wurde von Rabbinern aus Wien
betreut. Nach der Konstituierung der Gemeinde im Jahr 1890 wurde Rabbiner L.
Reich aus Floridsdorf nach Mistelbach berufen, der, nachdem das Amt für
ein Jahr unbesetzt war, von Wilhelm Sor abgelöst wurde. 1899 übernahm
Dr. Sigmund Gelbhaus das Amt. Ihm folgte 1921 der nachmalige Wiener
Oberrabbiner Dr. Israel Taglicht, der letzte Rabbiner, der die Mistelbacher
Gemeinde vor deren Zerstörung 1938 betreute. Mistelbach wies ein reges
religiöses Leben auf, gab es doch bis in die Dreissiger Jahre außer
der großen Synagoge noch weitere drei kleinere Bethäuser.
In den frühen 1930er
Jahren verließen jedoch viele Juden Mistelbach und ließen sich vor
allem in Wien nieder. Zur Zeit des Anschlusses im März 1938 befanden sich
noch etwa 20 jüdische Familien in Mistelbach. Im Juli 1938 musste die
Kultusgemeinde ihre Synagoge der Stadt übergeben. Die sich noch in
Mistelbach befindlichen Juden flohen nach Wien oder ins Ausland. Im September
1938 berichtete die nationalsozialistische Presse, dass sich keine Juden mehr
im Bezirk Mistelbach befänden.
Während des Zweiten
Weltkriegs missbrauchten die Nazis die ehemalige Synagoge als Unterkunft
für polnisch-jüdische Zwangsarbeiter und später als Magazin.
1945 setzte die SS das ehemalige Bethaus in Brand, damit Lebensmittelvorräte,
welche während des Krieges in dem Gebäude gelagert waren, nicht in
die Hände der russischen Armee fielen. 1952 wurde das
schwerbeschädigte Gebäude der ehemaligen Synagoge im Zuge eines
Rückstellungsverfahrens jüdischen Eigentums der Israelitischen
Kultusgemeinde Wien als Rechtsnachfolgerin der Kultusgemeinde Mistelbach
zurückgegeben, die das Gebäude 1973 an eine Privatperson verkaufte.
Nachdem das Gebäude weiterhin leerstand, wurde es 1976 abgerissen. Heute
steht auf dem Platz der ehemaligen Synagoge ein Wohnhaus.
Literatur:
- Genée,
Pierre, Synagogen in Österreich, Wien, 1992
- David, Jüdische Kulturzeitschrift
in Österreich
Summary in English
A settlement of Jews
existed in Mistelbach in the 14th century. These Jews suffered violent
anti-semitic persecutions which orginated in the town of Pulkau and spread throughout Lower Austria. It is assumed that after this pogrom, a
Jewish community did not reform in Mistelbach until the mid-19th century.
In 1890, Mistelbach had
a Jewish community large enough to warrant the establishment of an offical Israelitische
Kultusgemeinde (Jewish Congregation) of Mistelbach. There is evidence
of a Jewish prayer hall from as early as 1889. The prayer hall was probably located
at the residence of the cantor, Sigmund Jellinek, who lived on Annagasse.
Religious life was
vibrant in Mistelbach. In 1895, a synagogue
was erected at 24, Oserstraße. The red-brick, three-storey
building was a typical example of rural synagogue architecture. Until the 1930s, there
were three prayer halls in Mistelbach in addition to the synagogue. In 1898,
the Mistelbach community dedicated a cemetery, which still exists today, at 104,
Wald Straße.
The Mistelbach
congregation, which founded a chevra kadisha (burial society) and
a Ladies’ Charitable Association, was served by rabbis from Vienna. After the formation
of the congregation in 1890, Rabbi L. Reich was called from Floridsdorf to serve
in Mistelbach. In 1899, Dr. Sigmund Gelbhaus took up the rabbi’s post. He was succeeded
in 1921 by Rabbi Dr. Israel Taglicht, who was later Chief Rabbi of Vienna and was the last rabbi
to serve Mistelbach before the community’s destruction in 1938.
In
the early 1930s, many Jews left Mistelbach and settled mainly in Vienna. At the time of Anschluss (the
annexation of Austria
by Germany)
in March 1938, approximately 20 Jewish families remained in Mistelbach. In July
1938, the congregation was forced to surrender its synagogue to
the town authorities. Those Jews still living in the town either fled to Vienna or emigrated. In
September 1938, the Nazi press reported that no Jews remained in the Mistelbach
district.
During
World War II, the Nazis used the synagogue as a warehouse and later as
accommodation for Jewish slave laborers from Poland. In 1945, the Nazis set fire
to the former synagogue lest the food stored inside it during the war fall into
the hands of the Russian army. In 1952, the heavily damaged building was handed
over to the post-war Jewish Congregation of Vienna which, as part of the program
for the restitution of Jewish property, had been declared the legal successor
of the Mistelbach congregation. The Viennese congregation sold the synagogue
building in 1973 to a private individual. The building stood empty for a while
and was eventually demolished in 1976. Today, a residential building stands on
the site of the former synagogue.