Synagogen in Ostereich / Synagogues in Austria


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IKG Mödling

 

Enzersdorfer Strasse 6

 

1924

 

Erbaut

Built

1913

Letzter Rabbiner

Last Rabbi

Dr. Albert Schweiger

Erste Erwähnung der Gemeinde

First Mention of the Community

Sechziger Jahre des 19. Jahrhundert

Sixties of the 19th Century

Gerichtsbezirke

Judicial Districts

Mödling, Liesing, Bruck an der Leitha, Schwechat, Hainburg

Anzahl der Gemeindemitglieder

Number of Community Members

1934-436

1934-ca. 1500 (Kultusgemeinde)

1938-1264 (Kultusgemeinde)

1939-35

Pogromnacht

Pogrom Night

Verbrannt

Burnt down

1945-heute

1945-today

1987 abgerissen

Pulled down 1987

Heute

Today

Geschäfts- und Wohnhaus

 

 

Im 14. und 15. Jahrhundert existierte in Mödling eine größere jüdische Gemeinde. Im späten 14. Jh. errichteten die ansässigen Juden im Hinterhof eines Hauses in der Judengasse (heute Elisabethstrasse 7) eine Synagoge im gotischen Stil. Im Jahr 1420 wurde die Gemeinde Opfer der Wiener Geserah: Sämtliche Juden wurden verhaftet, ermordet oder vertrieben und ihr Besitz beschlagnahmt.

 

Erst in der Mitte des 19. Jahrhundert siedelten sich erneut jüdische Familien in Mödling an. In den 1860er Jahren zählte die jüdische Gemeinde genug Mitglieder, um sich in die ‘Israelitische Bethausgenossenschaft’ zusammenzuschließen. Gemeinsame Gebete wurden bis 1889 in der Klostergasse 8, einer früheren Schlosserwerkstatt, abgehalten. 1876 wurde die jüdische Begräbnisstätte auf dem städtischen Friedhof in der Guntramsdorfer Straße eingeweiht.

Bethaus in der Klostergasse 8, 1863 (eingerahmtes Haus)

1888 erwarb die Bethausgenossenschaft die Liegenschaft Enzersdorfer Strasse 6, auf der sich ein Garten und ein Haus befand, das in der Folge in eine Synagoge umgewandelt wurde. Aufgrund guter finanzieller Verhältnisse beschloss der Vorstand der Kultusgemeinde in Mödling Anfang des 20. Jahrhunderts den Bau einer neuen Synagoge neben bestehenden in der Enzersdorfer Strasse 6. Ignaz Reiser, einer der bedeutendsten  Synagogenarchitekten Österreichs, wurde mit der Planung betraut. Die Westfront des freistehenden Gebäudes wies drei im Rundbogenstil gehaltene Eingänge und ein überdimensioniertes, expressionistisch wirkendes „Rosenfenster“ auf. Die Mitte dieser verglasten Fensterrose wurde von einem Davidstern ausgefüllt, den sechzehn kleine Rundfenster umrahmten. Die Westfront krönte ein Triumphbogenaufsatz, in dem zwei Gesetzestafeln eingelassen waren. Augenfällig war auch das Dach der Synagoge, das durch Rustikalität und eine gestuft angelegte Konstruktion bauliche Anklänge an die Holzsynagogen Osteuropas zeigte.

1892 konstituierte sich die ‘Israelitische Kultusgemeinde Mödling’, die eine Chewra Kadischa und im Jahr 1917 den ‘Israelitischen Wohltätigkeitsverein’ gründete, der während des Ersten Weltkrieges bedürftige Schulkinder mit Kleidungsstücken versorgen konnte. Bis in die Dreissiger Jahre entstanden verschiedene jüdische Vereine, wie die ‘Zionistische Ortsgruppe’, der ‘Bund jüdischer Frontsoldaten’, der ‘Israelitische Frauenwohltätigkeitsverein’ und der ‘Jüdische Turn- und Sportverein Makkabi’. Zum Aufblühen der Mödlinger Gemeinde trug insbesondere Rabbiner Dr. Leo Bardowicz bei, der die Kultusgemeinde bis 1925 führte. Sein Nachfolger wurde Dr. Albert Schweiger, der die Gemeinde bis zu deren Zerstörung 1939 betreute.

Im Laufe der Zwanziger Jahre nahmen antisemitische Aktivitäten in Mödling zu, die sich auch in Beschädigungen der Synagoge äußerten. In der Pogromnacht zum 10. November 1938 wurden „alle politisch verdächtigen Juden“ verhaftet. Die Ortsgruppenleiter der NSDAP ließen jüdisches Vermögen und Wohnungen beschlagnahmen und zerstörten jüdische Geschäfte. Schon am vorangegangenen Tag war es zu einer Demonstration vor der Synagoge gekommen, in deren Verlauf die Inneneinrichtung des Bethauses zerstört wurde. Bei den Aufräumungsarbeiten im Innern entstand am Nachmittag ein Brand, der auf das ganze Gebäude übergriff. Weder die Feuerwehr noch die sich ansammelnde Menschenmenge, die den Verlauf des Brandes beobachtete, schritt ein.

Viele Juden verließen Mödling im Laufe der Dreissiger Jahre und gingen ins Ausland. Diejenigen, die nach dem Anschluss nicht mehr fliehen konnten, fielen den Deportationswellen in die Konzentrationslager zum Opfer.

1987 wurden die Ruinenreste der ehemaligen Synagoge in Mödling abgetragen. Heute steht ein Geschäfts- und Wohnhaus auf diesem Platz. Im Oktober 2003 wurde ein Mahnmal für die zerstörte Synagoge eingeweiht.

                    

                          die Überreste der zerstörten Synagoge (Aufnahme 1980)

 

 

Literatur:

- Genée, Pierre, Synagogen in Österreich, Wien, 1992

- David, Jüdische Kulturzeitschrift in Österreich

- R. Burger, F.M. Rinner, F.R. Strobl (Hrsg.), Ausgelöscht. Vom Leben der Juden in Mödling, 1988, Mödling

- ´Jüdisches Leben in Mödling´ in Mödlinger Stadtnachrichten

- P. Malina, ´"Auch Mödling mag die Juden nicht..."´ in Das jüdische Echo, Nr. 1, Oktober 1987

- Gold, H., Geschichte der Juden in Österreich, Tel Aviv, 1971

- Die Gemeinde

 

 

 

Summary in English:

 

Jewish settlement in the town of Mödling dated back to the Middle Ages. During anti-Jewish persecutions known as the Vienna Gezera in 1420, members of Mödling’s Jewish community were arrested, killed or expelled, and their property was confiscated.

After this pogrom, there was no Jewish life in Mödling until the mid-19th century. By 1860, however, there were enough Jews living in the town to warrant the establishment of an Israelitische Bethausgenossenschaft (Jewish Prayer House Association). Religious services were held in a former metal workshop at 8, Klostergasse. In 1876, a Jewish burial ground was inaugurated within the municipal cemetery on Guntramsdorfer Straße. 

At the beginning of the 20th century, building work began on synagogue designed by the famous synagogue architect, Ignaz Reiser. The synagogue had arched entrances, a large stained glass window and a rustic style wooden roof.

In 1892, the Israelitische Kultusgemeinde Mödling (Jewish Congregation of Mödling) was established. The congregation founded a chevra kadisha (burial society) and, in 1917, a charitable association. Rabbi Dr. Leo Bardowicz, who served the congregation from 1892 until 1925, made a significant contribution to the growth of the community. His successor, Dr. Albert Schweiger, headed the congregation until the destruction of the Jewish community in 1938.

The synagogue was attacked several times even during the 1920s. On Pogrom Night, November 1938, Jews who were considered “political suspects” were arrested. Local Nazi leaders ordered the confiscation of Jewish property and the destruction of Jewish stores. Even on the day before the pogrom, a crowd had attacked the synagogue during a demonstration. In the afternoon, fire broke out inside the building and spread throughout the structure. No one attempted to put out the blaze.

Many Jews left Mödling in the 1930s; some of them emigrated. Those who could not escape were eventually deported and became victims of the concentration camps.

In 1987, the remains of the synagogue were cleared. A memorial was erected in 2003.