Synagogen in Ostereich / Synagogues in Austria


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IKG Neunkirchen

 

Rohrbacher Straße, heute Peischingerstraße

 

Erbaut

Built

1883

Letzter Rabbiner

Last Rabbi

Dr. Heinrich Hillel Weiss (Wiener Neustadt)

Erste Erwähnung der Gemeinde

First Mention of the Community

1860

Gerichtsbezirke

Judicial Districts

Neunkirchen, Gloggnitz, Aspang, Kirchschlag

Anzahl der Gemeindemitglieder

Number of Community Members

1869-80

1890-259

1890-610 (Kultusgemeinde)

1934-204

1934-543 (Kultusgemeinde)

1938-ca.500 (Kultusgemeinde)

Pogromnacht

Pogrom Night

Verwüstet

Devastated

1938-1945

Lager für jüdische Zwangsarbeiter

 

Nach 1945

After 1945

teilweise abgetragen

 

Heute

Today

Mahnmal

Memorial

 

Der erste gesicherte Beleg über Juden in Neunkirchen stammt aus dem Jahr 1343. Das Viertel der jüdischen Gemeinde befand sich damals in dem Areal der heutigen Mühlgasse. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhundert errichte die Gemeinde eine Synagoge in dem Bereich der heutigen Triester Straße. 1496 wurden alle Juden aus Neunkirchen ausgewiesen und es wurde ihnen das Siedlungsrecht verwehrt. Diese Situation blieb bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts aufrecht.

In den sechziger Jahren des 19. Jahrhundert siedelten sich in dem Bezirk Neunkirchen wieder Juden an, die hauptsächlich aus Westungarn, dem heutigen Burgenland, stammten. Die zugezogenen Juden, von denen viele den Schewa Kehillot angehörten, waren sehr glaubenstreu und der jüdischen Tradition verbunden. Viele Neunkirchner Gemeindemitglieder ließen sich in ihren Herkunftsorten bestatten oder schickten ihre Söhne in eine der burgenländischen Jeschiwot.

1867 wurde der „Minjan Wohltätigkeitsverein in Neunkirchen“ gegründet, aus dem die Israelitische Kultusgemeinde hervorging. Für ihre ersten Gottesdienste mietete die Gemeinde einen Raum im ersten Stock des „Brückl-Wirtshauses“. In diesem größeren Zimmer, dem wahrscheinlich eine abgetrennte Frauenabteilung angegliedert war, befand sich der Aron Hakodesch an der Ostwand und die Bimah in der Mitte des Raumes.

Im Jahr 1883 entschied sich die jüdische Gemeinde für den Bau einer Synagoge in der Rohrbacher Straße. Dass die im historistischen Stil gebaute Synagoge nach dem Vorbild der Synagoge im burgenländischen Kobersdorf entworfen war, zeigte nochmals die Verbundenheit der Neunkirchner Gemeinde mit dem Burgenland. Die Fassade des Gotteshauses, die ein typisches Beispiel kleinstädtischer Synagogenarchitektur war, vereinte in sich Elemente des Rundbogenstils und der Neuromanik sowie Elemente der orientalischen Stilrichtung. Die Fassade war im traditionsgebundenen Stil nach Osten ausgerichtet und nicht der Straße zugewandt. Am Giebel befand sich ein Absatz, auf dem möglicherweise Steintafeln mit den Zehn Geboten angebracht waren. Entlang der Nord- und Südwand befand sich wahrscheinlich die Frauengalerie, die durch einen Eingang an der Nordwand erreicht wurde. Neben der Synagoge richtete die Gemeinde ein Winterbethaus im 2. Stock des Hauses Peischinger Straße 7 ein. Die Juden in Gloggnitz, nicht weit von Neunkirchen gelegen, eröffneten 1873 ihr eigenes Bethaus in der Hauptstrasse 23.

1890 errichtete die Gemeinde ihren eigenen Friedhof in Neunkirchen, der heute noch existiert. 1897 liess sich der „Israelitische Verein für fromme und wohltätige Zwecke – Chewra Kadischa“ als Verein eintragen; vermutlich war er schon kurz nach den ersten Anfängen der jüdischen Gemeinde in Neunkirchen gegründet worden.

Die rabbinischen Aufgaben in der Kultusgemeinde, die sich offiziell erst 1898 konstituierte, übernahm Wilhelm Reich, der auch in Baden wirkte. Aufgrund der Entfernung zu Neunkirchen liess sich Rabbiner Reich des öfteren durch den Gelehrten Schimon Zwi Goldstein vertreten. Als Goldstein im Jahr 1927 und Rabbiner Reich 1929 verstarb, übernahm bis zum Jahr 1938 der Wiener Neustädter Rabbiner Dr. Heinrich Hillel Weiss das Amt.

In der Pogromnacht zum 10. November 1938 wurde die Synagoge geschändet und demoliert und die Inneneinrichtung verwüstet. Die erzwungene Auswanderung und spätere Deportation bereiteten auch der jüdischen Gemeinde in Neunkirchen ein Ende. Die ehemalige Synagoge wurde während des Zweiten Weltkrieges als Lager für jüdische Zwangsarbeiter aus Osteuropa benutzt, die ein Zwischengeschoss in das Gebäude einziehen mussten. Die Zwangsarbeiter lebten dort unter den armseligsten Bedingungen.

Nach dem Krieg verfiel das Gebäude zusehends. 1984 wurde es notwendig, das Dach und einen Teil der Mauern aus Sicherheitsgründen abzutragen. Die Außenmauern wurden in einer Höhe von ca. zwei Metern stehengelassen und als Mahnmal erhalten. Die Israelitische Kultusgemeinde Wien liess eine Gedenktafel an der Außenwand anbringen.

1946

 

Literatur:

- Genée, Pierre, Synagogen in Österreich, Wien, 1992

- David, Jüdische Kulturzeitschrift in Österreich

- G. Milchram, “Die Entwicklung der Jüdischen Gemeinde in Neunkirchen/NÖ im 19. und 20. Jahrhundert” in M. Keil/E. Lappin (Hrsg.), ‚Studien zur Geschichte der Juden in Österreich‘, Bd. 2, S.123-140, Bodenheim, 1997

- G. Milchram, „Kehila Kadoscha Neunkirchen“, Wien, 1997

 

 

Summary in English:

 

The first definitive proof of the presence of Jews in Neunkirchen dates back to 1343. In the second half of the 14th century, Neunkirchen’s Jewish community erected a synagogue in the area of what is known today as Triester Straße. In 1496, all Jews were expelled from Neunkirchen and were forbidden to resettle. This ban lasted until the mid-19th century.

 

Jews came back to live in the Neunkirchen district in the 1860s. Most of these Jews originated from western Hungary, referred to today as the Burgenland. Many of them had previously belonged to the famous Sheva Kehilot (“Seven Communities”) whose members were very devout and faithful to tradition. Many members of the new Neunkirchen community sent their sons to study in one of the Burgenland yeshivot (religious schools) and, when the time came, were buried in their place of origin.

 

In 1867, the Minyan of the Charitable Association of Neunkirchen was founded. At first, the Jewish congregation held its religious services in a rented a hall on the upper floor of the Brückl tavern. In 1883, the community decided to build a synagogue on Rohrbacher Straße. The style of the synagogue, which was very similar that of the Kobersdorf synagogue in Burgenland, bore witness to the strong connection of the Neunkirchen community to their Burgenland roots.

 

The Neunkirchen community also established a winter prayer hall on the second floor of the house at, 7 Peischinger Straße. The town of Gloggnitz, near Neunkirchen, had its own Jewish prayer hall. In 1890 the community inaugurated its own cemetery in Neunkirchen. In 1897, the chevra kadisha (burial society) was officially registered.

 

The rabbi’s duties within the Kultusgemeinde (Jewish congregation), which was officially registered only in 1898, were assumed by Wilhelm Reich, who also officiated in Baden. Owing to the distance that separated Baden from Neunkirchen, Rabbi Reich frequently asked a scholar named Shimon Goldstein to go to Neunkirchen as his substitute. When Rabbi Reich passed away in 1927, the post of rabbi was held until 1938 by Rabbi Dr. Heinrich Hillel Weiss, from Wiener Neustadt.

 

On Pogrom Night, November 9/10, 1938, the synagogue was desecrated and demolished and all its equipment and furniture were destroyed. Subsequent forced emigration and the later deportations put an end to Jewish life in the town. During World War II, the former synagogue was used as a camp in which Jewish slave laborers from Eastern Europe were kept in appalling conditions.

 

After the war, the building fell into decay. In 1984, the roof and parts of the walls had to be removed for safety reasons. The outer walls, which are approximately two meters in height, have been preserved as a memorial. The post-war Jewish Congregation of Vienna has affixed a commemorative plaque to an outer wall of the building.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1946