Synagogen in Ostereich / Synagogues in Austria


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IKG Amstetten

 

Ardaggerstrasse 8

 

Eingeweiht

Inaugurated

Anfang des 20. Jahrhunderts

Beginning of the 20th Century

Letzter Rabbiner

Last Rabbi

? (Prof. Dr. A. Schächter, St. Pölten)

Erste Erwähnung der Gemeinde

First Mentioning of the Community

1881

Gerichtsbezirke

Judicial Districts

Amstetten, Scheibbs, Gaming, Haag, Melk, Persenbeug, St. Peter in der Au, Waidhofen an der Ybbs, Mank, Ybbs an der Donau

Anzahl der Gemeindemitglieder

Number of Community Members

1890-40

1923-20

1932-200 (ganze Kultusgemeinde)

1938-29

Pogromnacht

Pogrom Night

Gebrannt

Burnt

Nach 1938

After 1938

Enteignet und an Privatperson verkauft

Expropriated

Bis heute

Until today

Privatbesitz

Private property

 

Der erste urkundliche Beleg für die Anwesenheit eines jüdischen Einwohners in Amstetten stammt aus dem Jahr 1865. Laut Magistratsbuch des Marktes Amstetten hat David Wozasek in diesem Jahr das sog. "Ramederhaus", heute Hauptplatz 45, gekauft. In den folgenden Jahren zogen weitere Juden nach Amstetten und gründeten  schließlich 1881 die Israelitische Kultusgemeinde Amstetten. Die Gebetsstätte der jüdischen Gemeinde befand sich anfangs in der seinerzeit sogenannten "Sommervilla" der jüdischen Kaufmannsfamilie Sommer (heute Hamerlingstrasse 6). Der Betsaal wurde am 18. August 1896 durch den Rabbiner Adolf Levi aus Ybbs a.d. Donau eingeweiht. Später wurde der Betraum in das Haus Ardaggerstrasse 8 verlegt, das sich im Besitz des jüdischen Kaufmanns Franz Schmitz aus Oed befand. Weitere Bethäuser standen in Ybbs a.d. Donau und in Purgstall. Der Friedhof der Kultusgemeinde befand sich in Göttsbach bei Ybbs a.d. Donau.

1910 erwarb die jüdische Gemeinde in Amstetten das Grundstück Ecke Eggersdorferstrasse-Graben, um eine Synagoge zu errichten. Dieses Vorhaben konnte jedoch nie verwirklicht werden. In der Zwischenkriegszeit amtierte Prof. Dr. A. Schächter aus St. Pölten als Rabbiner in Amstetten.

Mit dem Anschluß am 13. März 1938 setzte auch in Amstetten die Entrechtung, Ächtung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung ein. Die Amstettner Juden waren gezwungen, ihr Eigentum zu Schleuderpreisen zu verkaufen. Das Grundstück Ecke Eggersdorferstrasse-Graben, auf dem die Synagoge errichtet werden sollte, wurde im November 1938 von der Stadtgemeinde Amstetten enteignet. Die meisten Mitglieder der jüdischen Gemeinde konnten sich retten, indem sie Österreich verließen.

In der Pogromnacht am 10. November 1938 verwüsteten SS-Gruppen den Betraum in der Ardaggerstrasse und steckten ihn in Brand. Die SS drang in Häuser und Geschäfte von Juden ein, schlug die Fensterscheiben ein und zertrümmerte deren Einrichtungen. Der Friedhof wurde geschändet. In den darauffolgenden Tagen wurden Hausdurchsuchungen durchgeführt und alle männlichen Juden in Schutzhaft genommen. Die nationalsozialistischen Machthaber enteigneten das Haus Ardaggerstrasse 8 und verkauften es an eine Privatperson.

Ein Bericht der Amstettner Gendamerie, der kurz nach der Pogromnacht verfasst wurde, beschreibt die schlimmen Ereignisse folgendermassen: "Ein Schulbeispiel für nazistische Methoden war auch die sogenannte Judenaktion ..., die anlässlich der Ermordung des deutschen Legationssekretärs vom Rath in Paris der Anlass zu einer Empörung in Deutschland sein sollte. In Amstetten war die Sache so, dass einige SS-Gruppen in den frühen Morgenstunden in die Häuser und Geschäfte der Juden eindrangen, dort die Fensterscheiben einschlugen und Einrichtungen zertrümmerten und das jüdische Bethaus in Brand steckten. Die Gendarmerie und Polizei musste, selbst von SS-Angehörigen dazu verhalten, am Posten bleiben und durfte erst dann gegen die der Gendarmerie und Polizei gut bekannten, aber offiziell unbekannten Täter einschreiten, als diese die Tatorte bereits verlassen hatten. Bezeichnend ist die Tatsache, dass diese reine Terroraktion der SS von dem weitaus überwiegenden Teil der Amstettner Bevölkerung verurteilt wurde. Diese ganze Aktion wurde dann von der NSDAP propagandistisch ausgewertet und als spontane Volksempörung des gesamten deutschen Volkes gegen die Juden hingestellt."

In den Wochen nach der Pogromnacht wurden die in Amstetten verbliebenen Juden nach Wien in Sammellager transportiert und von wo aus sie später in die Konzentrationslager deportiert wurden. Bereits Ende des Jahres 1938 teilte die örtliche Führung der NSDAP mit, dass es in Amstetten als einer der ersten Städte Niederösterreichs keine Juden mehr gäbe.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sind vereinzelt Juden nach Amstetten zurückgekehrt. Amstetten gehört heute zur Israelitischen Kultusgemeinde Wien.

 

Literatur:

- Genée, Pierre, Synagogen in Österreich, Wien, 1992

- David, Jüdische Kulturzeitschrift in Österreich

- Freihammer, Josef, Das Schicksal der Amstettner Juden in Beilage zu Amstetten 1938- 1945.     

 Dokumentation und Kritik, G. Zeillinger (Hrsg.), Amstetten, 1996

-Gold, Hugo, Geschichte der Juden in Österreich, Tel Aviv, 1971

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Summary in English:

 

The earliest known documentary evidence of the presence Jewish residents in Amstetten is dated 1865. In that year, David Wozasek bought the "Ramederhaus," as it was known then (today this property is number 45, Hauptplatz). More Jews moved to Amstetten in the years that followed. Eventually, in 1881, the Jewish community of Amstetten was officially founded.

 

At first, the community's prayer hall was located in a house which, at that time, was called the "Sommervilla." It belonged to a Jewish merchant family by the name of Sommer (today the building is known as 6, Hamerlingstraße). Rabbi Adolf Levi from the town of Ybbs an der Donau inaugurated the prayer hall on August 18, 1896. The prayer hall was later moved to 8, Ardaggerstraße, a house belonging to a Jewish merchant, Franz Schmitz, from Oed. There were prayer halls also in Ybbs an der Donau and in Purgstall. The Amstetten community's Jewish cemetery was in Göttsbach, near Ybbs an der Donau.

 

In 1910, Amstetten's Jews acquired another plot of land at the corner of Eggersdorferstraße and Graben for the construction of a synagogue. This project would never be realized. Dr. A. Schächter from Pölten served as rabbi of Amstetten between the wars.

 

Following the Anschluss (annexation of Austria by Germany) of March 13, 1938, the Jewish population was deprived of its all rights and suffered much humiliation and persecution. The Jews of Amstetten were forced to sell their property at ridiculously low prices. The plot of land intended for the synagogue was expropriated in November 1938 by the Amstetten town council. Most members of the Jewish community managed to save themselves by leaving Austria.

 

On Pogrom Night, November 9/10, 1938, SS groups wrecked the prayer hall on Ardaggerstraße and then set it on fire. The attackers also invaded Jewish homes and stores, where they broke windows and destroyed furnishings. The Jewish cemetery was desecrated. All Jewish-owned houses were searched and all Jewish men were taken into "protective" custody. The Nazis seized the house at 8, Ardaggerstraße and sold it to a private individual.    

 

In the weeks following Pogrom Night, the remaining Amstetten Jews were transported to holding camps in Vienna from where they were later deported to the concentration camps.  As early as the end of 1938, the Nazi leadership reported that Amstetten was one of the first towns in Lower Austria to be "Judenrein" (free of Jews).

 

After World War II, a few Jewish people returned to Amstetten. Today, the Amstetten community is part of the Jewish Kultusgemeinde (congregation) of Vienna.