IKG Tulln
Albrechtsgasse 6
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Eingeweiht
Inaugurated
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1859
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Letzte Rabbiner
Last Rabbis
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Dr. Arnold Frankfurter (St. Pölten), Wilhelm Steiner
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Erste Erwähnung der Gemeinde
First Mentioning of the Community
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1859
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Gerichtsbezirke
Judicial Districts
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Klosterneuburg, Tulln, Atzenbrugg, Kirchberg am Wagram
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Anzahl der Gemeindemitglieder
Number of Community Members
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1870-52
1890-91
1890-500 (Kultusgemeinde)
1910-118
1934-72
1938-92
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Pogromnacht
Pogrom Night
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nicht zerstört
not destroyed
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Nach 1938
After 1938
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geschlossen
Closed down
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Heute
Today
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Privatbesitz
Private property
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Der
älteste urkundliche Beleg für die Existenz einer jüdischen
Gemeinde in Tulln stammt aus dem Jahr 1267. Das mittelalterliche jüdische
Ghetto, in zeitgenössischen Dokumenten “Judenschule” genannt, befand sich
auf dem Gelände des heutigen Bezirksgerichts. Im
Zentrum des jüdischen Viertels befand sich die Synagoge. Im
Zuge der als „Wiener Geserah“ in die Geschichte eingegangenen brutalen
Judenverfolgungen der Jahre 1420/1421 wurden auch die Tullner Juden Opfer der
Ausschreitungen. In den folgenden Jahrhunderten lebten nur wenige Juden in
Tulln aufgrund wiederholter Ausweisungsbefehle und Berufsverbote.
Während
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zog eine größere Anzahl
von Juden, die aus Böhmen, Mähren, Polen und Ungarn sowie aus anderen
Gegenden der österreichischen Monarchie stammten, nach Tulln. Bereits 1859
richtete die jüdische Gemeinde ihren Betsaal im 1. Stock des Hauses
Albrechtsgasse 6 ein. Dieser bestand aus zwei Räumen, einer für
Männer und einer für Frauen. Die Mauer zwischen den Beiden war durch
eine niedrige Holzwand ersetzt worden, der im oberen Teil braun gestrichene
Gitterstäbe aufgesetzt waren.
1885 wurde
ein eigener Friedhof für die jüdische Gemeinde in Tulln in der
Paracelsusgasse eingerichtet. 1890 schloss sich die Gemeinde mit der
Kultusgemeinde in Klosterneuburg, der sie schon bislang zugeordnet war,
zusammen und gründete die „Israelitische Kultusgemeinde Tulln mit dem
Amtssitze in Klosterneuburg“.
Gleich
nach der nationalsozialistischen Machtergreifung in Österreich im
März 1938 begann die systematische Verfolgung, Ächtung und
Entrechtung der Tullner Juden. Lokale NS- und SA-Funktionäre zwangen Juden
zu den sogenannten “Reibpartien”, bei denen die
Juden mit bloßen Händen oder Zahnbürsten und scharfer
Lauge Straßen und Wände von den austro-faschistischen Parolen der
verhinderten Volksabstimmung säubern mussten. Das Eigentum der
jüdischen Bewohner wurde beschlagnahmt. Noch im März 1938 wurde die
Synagoge in der Albrechtsgasse geschlossen. Den Bestimmungen auf Reichsebene
vorausgehend erließ das Tullner Gemeindeamt bereits im September 1938 das
“Judenausgehverbot”, eine Verordnung, die Juden verbot, sich ausserhalb der
Zeit von 8 bis 10 Uhr vormittags auf öffentlichen Straßen, Plätzen
und Anlagen aufzuhalten.
In der
Pogromnacht zum 10. November 1938 zerstörte die Tullner SS den
jüdischen Friedhof. 11 Juden aus Tulln und der näheren Umgebung
wurden in Schutzhaft genommen. Jüdische Geschäfte und Wohnungen
wurden ausgeraubt.
Von den 92
Juden, die 1938 noch in Tulln lebten, konnten bis 1941 47 in ein anderes Land
ausreisen. Viele jüdische Bewohner zogen im Laufe des Jahres 1938 nach
Wien. Diejenigen Juden, die sich im März 1940 noch in Tulln aufhielten,
wurden nach Wien abgeschoben, von wo sie in die Vernichtungslager deportiert
wurden. Nach Kriegsende kehrten nur einzelne Juden nach Tulln zurück.

Literatur:
- Genée,
Pierre, Synagogen in Österreich, Wien, 1992
- Schwarz, P., Tulln ist judenrein! Die Geschichte der
Tullner Juden und ihr Schicksal von 1938 bis 1945:
Verfolgung-Vertreibung-Vernichtung, Wien, 1997
Summary in English:
The oldest documentary proof of the existence of a Jewish
community in Tulln dates back to 1267. The town’s Jewish ghetto during the Middle Ages, referred to as the Judenschule (Jews’
School) in documents of the time, was located where the District Court building
stands today. The medieval synagogue was located in the center of the Jewish quarter.
The Jews of Tulln were targeted by rioters during the brutal anti-Jewish
persecutions of 1420/1421, referred to by historians as the Wiener Geserah (Viennese
Edict). In the centuries which followed, only a few Jews lived in Tulln; a consequence
of repeated expulsion orders and prohibitions against Jews working in certain
professions.
Greater numbers of Jews, coming from Bohemia, Moravia, Poland and Hungary as well
as from other areas ruled by the Austrian monarchy, came to Tulln in the second
half of the 19th century. As early as 1859, the town’s Jewish
community established a prayer hall, consisting of two rooms, one for men and
the other for women, on the upper floor of a building at 6, Albrechtsgasse.
The year 1885 saw the inauguration of the Tulln Jewish community’s
own cemetery on Paracelsusgasse. In 1890, the community joined the Jewish
Congregation of Klosterneuburg and founded the Israelitische Kultusgemeinde Tulln mit dem Amtssitze in Klosterneuburg (The
Jewish Congregation of Tulln with an Official Office in Klosterneuburg).
The systematic persecution of Jews began immediately after the
Nazis took power in Austria
in March 1938. Local Nazi and SA officials forced Jews to clean graffiti from
the streets and walls with their bare hands or with toothbrushes, using highly toxic
substances. Jewish property was confiscated. The synagogue on Albrechtsgasse
closed down as early as March 1938. Tulln’s municipal council forbade Jews to
appear in the streets and public places at any time other than between 8 and 10 am.
On Pogrom Night, November 9/10, 1938, the Tulln SS destroyed
the Jewish cemetery. Eleven Jews from Tulln and the surrounding area were
placed in “protective” custody. Jewish stores and residences were pillaged.
Forty-seven of the 92 Jews still living in Tulln in 1938 managed
to emigrate by the end of 1941. Many of the town’s Jewish residents moved to Vienna during 1938. Those
Jews who remained in Tulln in March 1940 were forcibly sent to Vienna and from there to the extermination camps.
A handful of Jews returned to Tulln after World War II.