IKG Waidhofen an der Thaya
Niederleuthnerstrasse 5
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Eingeweiht
Inaugurated
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1896
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Letzter Rabbiner
Last Rabbi
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Dr. Meir Gabriel Mehrer (Wien)
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Erste Erwähnung der Gemeinde
First Mention of the
Community
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1860
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Bezirke
Districts
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Gmünd, Ottenschlag, Pöggstall, Zwettl
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Anzahl der Gemeindemitglieder
Number of Community Members
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1880-79
1900-57
1934-82
1938-317 (Kultusgemeinde)
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Pogromnacht
Pogrom Night
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Nicht zerstört
Not destroyed
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1938-1945
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Enteignet und von einer Privatperson bezogen
Expropriated and occupied by
a private person
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Nach 1945
After 1945
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Rückgabe an den rechtmässigen Besitzer und
Verkauf
Returned to its rightful
owner and sold
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Heute
Today
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Augenarzt-Praxis
Practice of an
ophthalmologist
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Die ersten Juden liessen sich Anfang
des 15. Jahrhundert in Waidhofen an der Thaya nieder. Im 17. Jahrhundert konnte
die jüdische Gemeinde unter dem Schutz der Schlossherrschaft Waidhofen in
der Vorstadt Niederthal eine Siedlung gründen, in der sie eine Schule und
einen Friedof errichtete. Wahrscheinlich diente die Schule auch als Synagoge.
Dem jüdischen Leben in Waidhofen wurde 1670 mit der allgemeinen
Ausweisungsanordnung aller im Erzherzogtum Österreich lebenden Juden durch
Kaiser Leopold I. ein Ende gesetzt.
Erst um das Jahr
1860 siedelten sich wieder Juden in Waidhofen an. Im Jahr 1882 konstituierte
sich die eigenständige "Israelitische Kultusgemeinde Waidhofen".
Im gleichen Jahr errichtete die Gemeinde ihre Begräbnisstätte
gegenüber dem städtischen Friedhof. Gemeindemitglieder gründeten
den Verein “Chewra Kadischa - heilige Vereinigung für wohltätige
Zwecke in der israelitischen Kultusgemeinde”, dessen Aufgabe es war,
Todesfälle in der Gemeinde zu sowie sich der Bedürftigen anzunehmen.
1896 weihte Gemeinde-Rabbiner Dr. D. Löwy ein Bethaus in dem Haus
Niederleuthnerstrasse 5 ein, das sich im Besitz des damaligen
Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Hugo Stukhart, befand. Im ersten Stock
des Gebäudes wurden zwei grosse Räume entsprechend eingerichtet. 1923 wurde Rabbiner Dr. Meir Gabriel Mehrer aus Wien nach Waidhofen
berufen. Er betreute auch die Kultusgemeinden Krems und Horn und war der letzte
Rabbiner der drei Gemeinden vor deren Zerstörung 1938.
1929
Im Jahr 1933 verstärkten die
österreichischen Nationalsozialisten, die zu jener Zeit noch illegal
waren, ihre antisemitische Propaganda. Im März 1938, nach dem Anschluss an
Nazi-Deutschland, marschierte die SA zu dem Haus Hugo Stukharts, dem damaligen
Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, schlug ihn und beleidigte seine
Familienangehörigen. Im Sommer 1938 ordnete die Kreisleitung Waidhofens
an, dass alle Juden die Stadt verlassen müssten. Die Kultusgemeinde
löste ihr Bethaus auf und stellte einen Antrag an die Israelitische
Kultusgemeinde in Wien, ihre Thorarolle sowie die restliche Ausstattung zu übernehmen.
Das Haus Niederleuthnerstrasse 5 wurde von Hans Stocklasser, einem Bürger Waidhofens, bezogen. Stukhart konnte mit seiner Frau und älteren Tochter aus
Österreich fliehen und liess sich in Haifa nieder. Seine jüngere
Tochter wurde im KZ ermordet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das
Gebäude, in dem sich das Bethaus befunden hatte, seinem rechtmässigen
Besitzer zurückgestellt. Hugo Stukhart verkaufte sein Haus. Heute befindet
sich in den ehemaligen Beträumen eine Augenarzt-Praxis.
Literatur:
-
Genée, Pierre, Synagogen in Österreich, Wien, 1992
- David, Jüdische Kulturzeitschrift in Österreich
- E. Führer/H. Hitz, ‘Juden in Waidhofen an der
Thaya’ in F. Polleross, “Die Erinnerung tut zu weh”, Horn/Waidhofen, 1996
1938
Summary in English:
Jews first settled in Waidhofen an der Thaya at the beginning of the 15th century.
In the 17th century, the Jewish community was permitted, under the
protection of the Waidhofen authorities, to establish a settlement in the
suburb of Niederthal. Here they opened a Jewish school – which probably served
also as a synagogue - and inaugurated a cemetery. The first period of Jewish
life in the town came to an end when Emperor Leopold I issued a general
expulsion order in 1670 against all Jews living in the archdukedom of Austria.
It was 1860 before Jews could again settle in
Waidhofen. In 1882, the Israelitische Kultusgemeinde Waidhofen (Jewish
Congregation of Waidhofen) was founded and, in the same year, the community
inaugurated a Jewish burial ground opposite the municipal cemetery. Members of
the community founded a chevra kadisha (burial society). In 1896,
the congregation’s rabbi, Dr. D. Löwy, inaugurated a prayer hall at 5,
Niederleuthnerstraβe. At the time, this building
belonged to the congregation’s vice president, Hugo Stukhart. In 1923, Rabbi
Dr. Gabriel Meyer from Vienna
was called on by the Waidhofen community to be its rabbi. Rabbi Meyer also
attended to the Jewish communities of Krems and Horn, and was the last rabbi to
serve these communities before their destruction in 1938.
In 1933, the Austrian Nazi movement – which was
still outlawed at the time – intensified its anti-semitic propaganda campaign.
After the Anschluss (annexation of Austria by Germany) in
March 1938, the SA marched to the house of Hugo Stukhart, beat him and
insulted his family. In the summer of 1938, the district authorities of
Waidhofen ordered the expulsion of all the town’s Jews. The Jewish community closed
down the prayer hall and offered the Jewish Congregation of Vienna its Torah scroll
and other equipment.
Stukhart fled Austria with his wife and eldest daughter,
and eventually settled in Haifa.
His youngest daughter perished in a concentration camp.
After World War II, Stukhart’s former home was returned
to him; he subsequently sold the building.