IKG
Wiener Neustadt
Baumkirchner
Ring

1902
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Erbaut
Built
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1902
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Letzter Rabbiner
Last Rabbi
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Dr. Heinrich
Weiss
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Erste Erwähnung der Gemeinde
First
Mention of the Community
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Anfang der Sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts
Beginning
of the Sixties of the 19th century
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Politische Bezirke
Political
Districts
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Wiener
Neustadt, Gutenstein, Ebreichsdorf
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Anzahl der
Gemeindemitglieder
Number of Community Members
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1869-173
1900-492
1938-1059
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Pogromnacht
Pogrom Night
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Verwüstet
Devastated
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1938-1945
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Unterbringung des Wirtschaftsamtes
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Nach 1945
After 1945
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1953 abgerissen
Demolished
1953
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Heute
Today
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Ämter der Stadt
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Wiener Neustadt war im Mittelalter Sitz einer der grössten
jüdischen Gemeinden Niederösterreichs, aus der so bedeutende Rabbiner hervorgegangen sind wie
Chaim ben Moses, Chaim ben Isaak und Israel Isserlein. Die jüdische Bevölkerung lebte in einem eigenen Viertel, in dem sich auch
die Gemeinde-Synagoge befand
(heute Allerheiligenplatz
1). Während des 15. Jahrhunderts
zog die örtliche Jeschiwa viele Schüler von weit her an. 1496 setzte
der Ausweisungsbefehl des
Kaisers Maximilian I. an die jüdische
Bevölkerung der blühenden Gemeinde in Wiener
Neustadt ein Ende.
Erst Anfang der sechziger
Jahre des 19. Jahrhunderts wurde es Juden wieder gestattet,
sich in Wiener Neustadt anzusiedeln.
Moses Rosenberger war einer der ersten Juden,
der sich daraufhin in der Stadt niederließ. Er stellte seine Wohnung im Lechnerschen
Haus in der Bognergasse Nr. 18 der neuentstandenen Gemeinde für die gemeinschaftlichen Gebete zur Verfügung.
Einige Zeit später mieteten Gemeindemitglieder ein Lokal in dem Gasthaus
„Zur ungarischen Krone“ in der
Ungargasse Nr. 9 als Beträume. Im Jahr 1870 erwarb die stetig anwachsende Gemeinde eine Wagenremise
auf dem Baumkirchner Ring und baute
sie zu einer
Synagoge um. Im Jahr 1871 konstituierte sich die Kultusgemeinde Wiener Neustadt offiziell.
Die Gemeinde gründete eine Chewra Kadischa,
einen Frauenhilfsverein und organisierte
die Betreuung von Trauernden
durch den neugeschaffenen
"Nichum Avelim - Trauernden-Unterstützungsverein". Schon in den 1880er Jahren musste die Synagoge am
Baumkirchner Ring vergrößert werden. 1889 wurde
ein jüdischer Friedhof in der Wiener
Straße eröffnet. Die jüdische Gemeinde verfügte auch über eine eigene Mikwe.
Im Jahr
1902 beschloss die Gemeinde
den Neubau einer grossen Synagoge neben dem bisherigen
Bethaus. Der Wiener Architekt Wilhelm Stiassny wurde mit dem Auftrag
betraut. Er plante einen Bau
im spät-historistischen
Stil. Durch die Verwendung orientalisierender Elemente sollte der Betrachter an
die spanisch-maurische Blütezeit
des Judentums erinnert werden. In der Kultusgemeinde amtierten ab 1902 als Rabbiner Benjamin Weiss, Dr. Jakob Hofmann, Dr. Heinrich Klein, Dr. Joel Pollak, David Friedman, Dr. Hillel Weiss und Harry Schiff
in Folge. Dr. Heinrich Weiss war der
letzte Rabbiner der Gemeinde vor
deren Zerstörung 1938.
Nach dem Neubau der
Synagoge entschied sich der Vorstand
der Gemeinde zur Übernahme des sogenannten Mannheimer-Ritus, den
der damalige Prediger des Wiener Stadttempels,
Isaak Noa Mannheimer, in der ersten
Hälfte des 19. Jahrhunderts vorgestellt
hatte. Die Einführung
der Neuerungen des Mannheimer-Ritus wurden aber von einer traditionell eingestellten Gruppe um den damaligen Rabbiner Benjamin Weiss abgelehnt.
Der aus Mattersdorf stammende Eleasar Koppel richtete
deshalb in seinem Haus in der Haidbrunngasse
2-6 ein orthodoxes Bethaus ein, welches 1916 von den staatlichen Behörden genehmigt wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg
konnte in der Gemeinde ein genereller
Trend zurück zur
Tradition festgestellt werden,
so dass die Wahl nur streng traditionstreuer Rabbiner beschlossen wurde. Man entschloss sich, auch in der
grossen Synagoge den ursprünglichen Ritus wieder einzuführen. Diese Entwicklung begründete sich unter anderem in dem Zuzug von Juden
aus den ‘Sieben Heiligen Gemeinden’ des Burgenlandes, die die älteren jüdischen Traditionen wieder belebten.
In der Pogromnacht zum 10. November 1938 zogen SS- und SA-Angehörige sowie Wiener Neustädter Zivilpersonen zu der Synagoge
am Baumkirchner Ring. Sie zerschlugen die Fenster mit Pflastersteinen, beschädigten die Fassade und
zertrümmerten die Inneneinrichtung.
Die Kultgegenstände wurden
geraubt und die Torahrollen
verbrannt. Ein SA-Mann stemmte den Davidsstern, der die Stirnfront der Synagoge schmückte,
heraus. Die Synagoge wurde nur deshalb
nicht in Brand gesteckt, weil der
von den Nationalsozialisten eingesetzte
Wiener Neustädter Oberbürgermeister
Scheidtenberger beabsichtigte,
sie als Nutzobjekt
für die Stadtgemeinde zu verwenden. Zur Zeit
des Novemberpogroms befand sich eine grosse
Anzahl jüdischer Bürger Wiener Neustadts nicht mehr in der
Stadt. Ein Teil wurde in den Monaten seit dem
Anschluss zur Ausreise gezwungen, andere verließen Österreich aus Sorge um die Verschlimmerung ihrer Lebensumstände. Viele der in Wiener Neustadt verblieben
Juden wurden in der Pogromnacht in der Synagoge eingesperrt,
sie wurden geschlagen und mußten stundenlang mit dem Gesicht zur
Mauer stehen. Anschließend mußten
die Juden zwei Tage auf dem Fußboden
liegen, bevor sie für eine
Woche in dem Wiener Neustädter Gefängnis inhaftiert wurden.
während des Novemberpogroms 1938
die zerstörte Synagoge
1938
Im August 1941 wurde die Unterbringung des städtischen
Wirtschaftsamtes in den Räumen
der ehemaligen Synagoge beschlossen. 1945 wurde das Gebäude durch einen Bombentreffer
schwer in Mitleidenschaft gezogen und geriet in Brand.
Die Brandruine wurde im Jahr 1953 abgerissen.
Heute befinden sich Ämter
der Stadt Wiener Neustadt
auf dem Areal der ehemaligen Synagoge.
1952
Literatur:
- Genée,
Pierre, Synagogen in Österreich,
Wien, 1992
- David, Jüdische
Kulturzeitschrift in Österreich
-
Pollak, M., Die Juden
in Wiener-Neustadt, Wien, 1927
-
´Die „Kristallnacht“ in
Wiener Neustadt´ in Wiener-Neustädter Nachrichten, 8. Nov.1985
-
K. Flanner, ´Wieso die jüdische
Synagoge von den Nazis nicht
zerstört wurde` in Amtsblatt der Statutarstadt
Wiener Neustadt, Okt.1982
-
Die Gemeinde
-
A. Stern-Braunberg, ´Nicht verbrannt, „nur“
geplündert´ in Die Furche,
Nr. 17, Apr.1988
-
A. Stern-Braunberg, ´„Räuber,
Betrüger, Siegelfälscher“´
in morgen, Kulturzeitschrift
aus Niederösterreich,
Nr. 87, Feb.1993
-
K. Flanner, Die Wiener Neustädter Synagoge in der Pogromnacht 1938, Dokumentation
des „Industrieviertel-Museums“ Wiener Neustadt, 1998
-
Encyclopedia Judaica
Summary in English:
In the Middle Ages, the town of Wiener Neustadt was home
to one of the largest Jewish communities in Lower Austria.
Many famous rabbis came from here. The town’s Jewish population lived in its
own quarter, where the synagogue was also located. In the 15th
century, the local yeshiva (school for religious studies) attracted many
students from far and wide. Emperor Maximilian I issued an expulsion order against
Jews in 1496, which put an end to the flourishing Jewish community of Wiener
Neustadt.
Not until the 1860s would Jews be permitted to settle again in
the town. Moses Rosenberger, one of the
first modern-day Jews to take up residence in Wiener Neustadt, put his home at
the disposal of the new Jewish community for use as a house of prayer. A while later, the community moved its prayer services to a hall in
a restaurant. Later still, a coach house on the Baumkirchner Ring
was acquired and rebuilt as a synagogue.
In 1871, the Wiener Neustadt Kultusgemeinde (Jewish
Congregation of Wiener Neustadt) was officially established. A chevra kadisha (burial society) and
a Frauenhilfsverein (ladies’ aid association) were founded, as was an
association for comforting the bereaved. In 1889, a Jewish cemetery was
inaugurated on Wiener Straße. The
community had its own mikvah (ritual bath).
In 1902, the congregation decided to build a larger synagogue
next to the existing one on Baumkirchner Ring. The following rabbis officiated in Wiener
Neustadt from 1902 onwards: Benjamin Weiss, Dr. Jakob Hofmann, Dr. Heinrich
Klein, Dr. Joel Pollak, David Friedman, Dr. Hillel Weiss and Harry Schiff. The last rabbi to serve the community before
its destruction in 1938 was Dr. Heinrich Weiss.
Following the construction of the new synagogue, the congregation’s
board decided to adopt the so-called Mannheimer rite devised in the
first half of the 19th century by Isaak Noa Mannheimer, preacher of
the Viennese Stadttempel (city temple). A group of community members gathered
in support of Rabbi Benjamin Weiss who rejected these changes, and Eleasar
Koppel, a Jew originally from Mattersdorf, established
an orthodox prayer room in his house. This prayer room was officially approved by
the secular authorities in 1916. After World
War I, there was a general trend back toward tradition, therefore the original
rite was reintroduced in the community’s great synagogue and only orthodox rabbis
were appointed. The movement back to orthodoxy occurred under the influence of Jews
who arrived in Wiener Neustadt from the Sheva Kehillot (Seven Holy
Congregations).
On Pogrom Night, November 9/10, 1938, members of the SS and SA,
accompanied by ordinary residents of Wiener Neustadt, assembled at the great synagogue.
They then destroyed the building inside and out. Ritual objects were stolen and
Torah scrolls were burned. The synagogue itself was not burned down because the
mayor wanted to use the building for municipal purposes.
By that time, a large number of the town’s Jewish citizens
were no longer residing there. Some had been forced to leave after the Anschluss,
others left fearing – rightly - a deterioration in
their living conditions. During the pogrom itself, those Jews who remained in
the town were locked in the synagogue, beaten and forced to stand for hours
with their faces to the wall. Then they had to lie for two days on the floor
before being incarcerated for a week in the town prison.
In 1945, the synagogue building was heavily damaged after
being hit by an aerial bomb and going up in flames. The synagogue’s ruins were
removed in 1953.