Zwettl
Betsaal in dem Gasthaus Landstraße 49
Prayer Hall at the Tavern 49
Landstrasse
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Eingerichtet
Established
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1898
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Erste Erwähnung der Gemeinde
First
Mention of the Community
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1869
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Anzahl der Gemeindemitglieder
Number of Community Members
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1870-44
1881-63
1890-29
1934-37
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Pogromnacht
Pogrom Night
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nicht zerstört
not destroyed
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Nach 1938
After 1938
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Aufgelöst
Dissolved
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Bis
heute
Until today
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Gasthaus
Tavern
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Der älteste Nachweis über
die Niederlassung von Juden in Zwettl stammt aus dem 14. Jahrhundert. 1338
erfasste die im naheliegenden Pulkau beginnende Verfolgung der jüdischen
Bevölkerung auch die Juden in Zwettl. Die Existenz einer “Judengasse” in
der heutigen Hamerlingstraße, die urkundlich für das Jahr 1560
belegt werden kann, weist möglicherweise auf eine spätere
jüdische Besiedlung hin.
1856 erhielt Samuel Schidloff und seine
Familie die Erlaubnis, sich in Zwettl niederzulassen. Der aus Böhmen
stammende Schidloff eröffnete einen Branntweinhandel. Die meisten Juden,
die während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Zwettl
zogen, waren in Südböhmen und Südmähren geboren. 1869
gründete die neue Zwettler jüdische Gemeinde einen Kultusverein, dem
21 männliche und 22 weibliche Mitglieder angehörten. Die Gemeinde war
zuerst der Kultusgemeinde Krems und ab 1892 der Israelitischen
Kultusgemeinde Waidhofen an der Thaya angeschlossen. Ihr Betraum befand
sich im ersten Stock des Haus Nr. 171, heute Landstraße 62, das die
Familie Schidloff und später andere jüdische Familien bewohnten. Als
das Gebäude 1898 abgerissen wurde, verlegte die jüdische Gemeinde
ihre gemeinsamen Gebete in einen Saal des Gasthauses „Zum Goldenen Hirschen“ in
der Landstraße 49. Ein Parochet (Toravorhang), den die Frauen der
jüdischen Gemeinde im Jahr 1872 spendeten, ist erhalten geblieben. Der
Toravorhang ist ornamental gemustert und trägt die hebräischen
Initialbuchstaben für “Krone der Tora” und ein Zitat aus den Psalmen 16,8:
“Ich habe den Herrn stets vor Augen”.

Torahvorhang aus dem
Jahr 1872
1883 errichtete die jüdische
Gemeinde ihren eigenen Begräbnisplatz auf einem Grundstück neben dem
Friedhof in Syrnau, einem Vorort von Zwettl.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts
nahm in Zwettl judenfeindliche Propaganda zu. Unter anderem als Folge dieser
Entwicklung verringerte sich in der Zwischenkriegszeit die Zahl der
jüdischen Einwohner in Zwettl deutlich. Im März 1938 wurden die
Fensterscheiben von Geschäften und Wohnungen jüdischer Besitzer
eingeschlagen. In dieser antisemitischen Atmosphäre konnte die jüdische
Gemeinde auch nicht mehr ihre gemeinsamen Gebete im Gasthaus „Zum Goldenen
Hirschen“ abhalten. Nach dem Anschluss flüchteten die Juden, die noch in
Zwettl lebten, ins Ausland oder nach Wien. Am 1. April 1939 lebten, Berichten
der NSDAP zufolge, keine Juden mehr in Zwettl.
Literatur:
-
F. Moll,
‘Juden in Zwettl’ in F. Polleross (Hrsg.), “Die Erinnerung tut zu weh”,
Horn/Waidhofen, 1996
-
H. Gold, Geschichte
der Juden in Österreich, Tel Aviv, 1971
Summary in English:
The earliest documentary evidence of Jewish settlement in
Zwettl comes from the 14th century. In 1338, anti-Jewish persecutions
originating in nearby Pulkau spread to Zwettl and impacted on the town’s Jews. Records
dated 1560 mention the existence of a “Judengasse” (Jews’ Alley), which
was probably part of a later Jewish settlement in the town. The name of this
street today is Hamerlingstraβe.
Most Jews who came to Zwettl in the second half of the 19th
century were natives of southern Bohemia
or southern Moravia.
In 1856, Samuel Schidloff and his family, who came from Bohemia, received permission to live in
Zwettl, where Schidloff began trading in alcoholic drinks.
In 1869, Zwettl’s new Jewish community founded a Kultusgemeinde
(Jewish congregation) with 21 male and 22 female members. The community was initially affiliated with the Jewish
Congregation of Krems. After 1892, Zwettl’s Jews belonged to the Jewish
Congregation of Waidhofen an der Thaya. The Zwettl
community’s prayer hall was located on the first floor of house no. 171,
which today is no. 62 Landstraβe. This house was initially
inhabited by the Schidloffs and later by other Jewish families. After the
demolition of the building in 1898, the prayer hall was moved to a room in the Zum
Goldenen Hirschen (Golden Stag) tavern at 49, Landstraβe.
A parochet (Torah curtain) donated in 1872 by the ladies of the
congregation has been preserved until this day.
In 1883, Zwettl’s Jewish
congregation inaugurated its own burial grounds next to the cemetery in Syrnau,
a suburb of Zwettl.
Anti-Jewish propaganda increased towards the end of the 19th
century and contributed to a considerable reduction in the Jewish population of
Zwettl between the wars. In March 1938, the windows of Jewish stores and homes were
smashed. Due to the anti-semitic atmosphere, prayer meetings could no longer be
held in the Golden Stag tavern. After the Anschluss (the
annexation of Austria
by Germany)
those Jews still living in Zwettl fled the country or left for Vienna. A report issued by the Nazi party stated
that no Jews remained in Zwettl on April 1, 1939.