Synagogen in Ostereich / Synagogues in Austria


click on page to advance

Atzgersdorf-Liesing

 

Carlsgasse 390, heute Dirmhirngasse 112 in Wien-Liesing (23. Bezirk)

 

1900

 

Erbaut

Built

1900

Erste Erwähnung der Gemeinde

First Mention of the Community

1867

Anzahl der Gemeindemitglieder

Number of Community Members

1890-61 (Liesing)

1910-57 (    "      )

1934-87  (   "      )

1934-137 (Atzgersdorf)

1934-169 (Mauer)

Pogromnacht

Pogrom Night

Niedergebrannt

Burnt down

1938-1945

Errichtung von Notwohnungen

 

Heute

Today

Firmengebäude

 

Die jüdischen Gemeinden, die sich in Liesing und in Atzgersdorf etablierten, gehörten der 1892 gegründeten Israelitischen Kultusgemeinde Mödling an. Die Gemeinden trafen sich zum gemeinsamen Gebet ab 1867 in ihrem Betsaal in dem Haus Liesinger Gasse 11 (heute Wien 23, Fröhlichgasse 12), der bis 1876 in Benutzung blieb. Zu jener Zeit fand der Religionsunterricht in dem Haus Liesinger Gasse 13 statt. Ab 1876 hielten die Gemeinden ihre Gottesdienste in einem Betsaal in dem Haus Carlsgasse 4 (heute Wien 23, Dirmhirngasse) ab, bis der 1886 gegründete Bethausverein Minjan die grosse Synagoge im Jahr 1900 fertiggestellt hatte.

Zuständig für die Gemeinden Liesing und Atzgersdorf waren die Rabbiner der Kultusgemeinde Mödling, Dr. Leo Bardowicz und Dr. Albert Schweiger. Folgende Kantoren wirkten in Liesing und Atzgersdorf: M. Altenberg, Österreicher, Noteles, Tauber, M. Lewinson, Ignaz Falk und Josef Benedikt. M. Altenberg und M. Lewinson erteilten auch Religionsunterricht.

Die neue Synagoge, die auf der Parzelle 484/3 – der späteren Carlsgasse 390 (heute Wien 23, Dirmhirngasse 112) - erbaut wurde, war im römischen Stil gehalten. Die Synagoge stand in Atzgersdorf, aber nahe der Gemeinde Liesing. Der zweigeschossige Bau wurde vom wiener Architekten Richard Esriel entworfen. Die Synagoge wurde von zwei Ecktürmen flankiert, von deren Basis je ein Eingang in den Innenraum der Synagoge führte. Sowohl im Parterre als auch in der Frauengalerie im 1. Stock standen jeweils 120 Sitze zur Verfügung. Unterhalb der Frauenabteilung befand sich die Wohnung des Religionslehrers und ein kleinerer Sitzungssaal, in dem unter anderem auch der Unterricht abgehalten wurde.

1922 wurde die Vorderfront der Synagoge umgebaut um im Eingangsbereich zusätzlichen Raum zu gewinnen. Dabei verlor die Frontseite an Eleganz. Die zur Strasse gerichteten mittleren Fenster, die ursprünglich im Rundbogenstil gehalten waren, wurden jetzt von aussen durch einen Zubau und im Inneren durch Verbauung geschlossen. Der Glasrosettenstern, der sich im Giebel des Daches befand, wurde zugemauert und durch einem einfachen Aufputzstern ersetzt.

 

Nach dem Umbau 1922

In der Pogromnacht zum 10. November 1938 wurde die Atzgersdorfer Synagoge niedergebrannt. Die Begutachtung der Baukommission am 11. November befand, „daß das bestehende Mauerwerk infolge Einsturzgefahr die Bewohner des angebauten Pförtnerhauses bedroht", und erließ den Auftrag zum sofortigen Abriss der Brandruine. Der Erlös des Baumaterials wurde zur Deckung der Abbruchkosten verwendet, da laut Bericht der Amtsstelle der Bezirkshauptmannschaft Mödling-Liesing „kein Eigentümer erreichbar" war. Im Jahr 1942 wurden auf dem Platz der ehemaligen Synagoge Notwohnungen errichtet.

Heute befindet sich auf diesem Areal ein Firmengebäude. Nach zahlreichen ergebnislosen Versuchen, eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Synagoge zu errichten, wurde letztendlich im März 2005 eine Gedenktafel in dem angrenzenden Grundstück Dirmhirngasse 114 eingeweiht.

 

Literatur:

- Genée, Pierre, Synagogen in Österreich, Wien, 1992

- Liebhart, Heide,Die Synagoge Atzgersdorf/Liesing' in David, Jüdische Kulturzeitschrift in Österreich, Heft Nr. 46 (September 2000)

- Netzl, Gerald, ‚Gedenktafel Synagoge Atzgersdorf' in David, Heft Nr. 65 (Juni 2005); ´Originalbaupläne der Atzgersdorfer Synagoge nach 50 Jahren „entdeckt"´ in  Bezirksjournal Perchtoldsdorf- Liesing, Heft 3/1988, Seite 2, Wien

- Gold, Hugo, Geschichte der Juden in Österreich, Tel Aviv, 1971

 

 

Summary in English: