Bruck an der Leitha
Der älteste Beleg über jüdisches Leben in Bruck an der
Leitha stammt aus dem Jahr 1351. Bis 1420 existierte dort eine rege
jüdische Gemeinde. Ihre Mitglieder hielten die gemeinsamen Gebete in zwei
Synagogen ab, die sich in den Häusern Nr. 48 (heute Hauptplatz 4) und Nr.
86 (heute Schillerstraße 9) befanden. Das ehemalige Synagogengebäude
Nr. 86 zeichnet sich durch ein spitzbogiges Trichterportal, noch gut erhaltene
trapezförmige Gewölberippen und gotische Spitzbogenfenster aus. 1420
fielen auch die Juden in Bruck den unter der Bezeichnung „Wiener Geserah“ in
die Geschichte eingegangenen gewalttätigen Ausschreitungen gegen die
jüdische Bevölkerung zum Opfer.
Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließen sich
wieder Juden in Bruck an der Leitha nieder. In der Stadt, die 1892 der Israelitischen
Kultusgemeinde Mödling zugehörig wurde, befand sich der Friedhof
der Kultusgemeinde.

Holzsynagoge
1915
1914 errichtete die staatliche Fürsorge im Norden Brucks ein
Barackenlager, in dem ab November 1914 jüdische Flüchtlinge aus
Galizien Zuflucht fanden. Im Januar 1915 wurde eine Holzsynagoge in dem Lager
eingeweiht. Das einstöckige Bethaus –
sicher ein nur für vorübergehende Nutzung bestimmter Zweckbau
– war einfach in der Linienführung und im Dekor, dennoch
wohlproportioniert. Sein abgestuftes Dach rief die Stilrichtung der
traditionellen Holzsynagogen in Osteuropa in Erinnerung. Auch mit der
Plazierung der Bimah in der Mitte des
Betraumes wurden die Traditionen des osteuropäischen Judentums
berücksichtigt.

Innenraum
der Holzsynagoge 1915
Im Oktober 1915 befanden sich 3149 Juden in dem Flüchtlingslager
in Bruck. Ende Oktober 1915 verließen sie die Stadt, um nach Galizien
zurückzukehren. Die Synagoge wurde in eine katholische Kirche umgewandelt.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Baracken sowie die Kirche abgerissen.
Heute befindet sich an dieser Stelle der Brucker Stadtteil Alte Siedlung.
Literatur:
- Genée, Pierre, Synagogen in
Österreich, Wien, 1992
- David,
Jüdische Kulturzeitschrift in Österreich
- Sonnleitner, A., Mittelalterliche
Synagogen im ehemaligen Herzogtum Österreich, Wien, 1998
(Diplomarbeit)
- Gold, Hugo, Geschichte
der Juden in Österreich, Tel Aviv, 1971
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