IKG Gänserndorf
Bahnstraße 60

1890
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Erbaut
Built
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1890
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Letzter Rabbiner
Last Rabbi
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Dr. Isidor Friedmann
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Erste Erwähnung der Gemeinde
First Mention of the Community
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1866
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Bezirke
Districts
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Aderklaa, Angern an der March, Auersthal,
Bockfließ, Deutsch-Wagram, Gerasdorf, Götzendorf,
Großengersdorf, Lassee, Marchegg, Matzen, Pirawarth, Roggendorf,
Straßhof, Süßenbrunn
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Anzahl der Gemeindemitglieder
Number of Community Members
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1869-30
1890-97
1938-540 (Kultusgemeinde)
30.4.1939-434 (Kultusgemeinde)
14.5.1939-25 (Kultusgemeinde)
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Pogromnacht
Pogrom Night
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nicht zerstört
not destroyed
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1938-1945
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Enteignet und zweckentfremdet
Expropriated and profaned
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Nach 1945
After 1945
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Übergabe an die IKG Wien
und Verkauf an die Stadtgemeinde
Handed over
to the IKG Vienna and sold to the municipal authorities
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Heute
Today
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Musikschule
School for Music
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Nachdem 1860 das österreichische Innenministerium
das Verbot für Juden aufhob, in ländlichen Gebieten Österreichs
zu wohnen, siedelten sich Juden auch in Gänserndorf an. 1869 richtete die
zunächst kleine, doch stetig wachsende jüdische Gemeinde
vorübergehend ein Bethaus in dem Haus Hauptstraße Nr. 54 ein. Zu
dessen Ausstattung hatte der Vorstand des Bethauses bereits 1866 die Wiener
Kultusgemeinde um die Überlassung einer Torahrolle gebeten.
Im Mai 1884 gründete die jüdische Gemeinde
einen Minjanverein, der 1889 einen Antrag zum Bau einer Synagoge an die
Bezirkshauptmannschaft Gross-Enzersdorf richtete. 1890 wurde die
Gänserndorfer Synagoge in der Bahnstraße 60 nach den Plänen des
Wiener Architekten Jacob Modern fertiggestellt. Ein weiteres Bethaus wurde um
1911 in dem Ort Lassee eingerichtet (Parzelle 163/3, Haus Nr.
173). In Deutsch-Wagram lebten in den 1870er Jahren ca. 130 Juden, die ein
Bethaus einrichteten. 1870 legte die Gemeinde einen Friedhof an, der Anfang des
20. Jahrhunderts geschlossen wurde. Zur Kultusgemeinde Gänserndorf
gehörig war auch die Gemeinde Angern an der March an der Grenze zu Ungarn,
ab 1918 Slowakei. In Angern gab es keine Synagoge. Die Juden aus Angern
benutzen regelmäßig die Synagoge der ungarischen bzw. slowakischen
Ortschaft Ungareigen (Uhorska Ves/ Zahorska Ves), die sie in wenigen Gehminuten
über die offene Grenzbrücke erreichen konnten.
Erst 1907 konstituierte sich die Kultusgemeinde
Gänserndorf offiziell und im selben Jahr richtete die Gemeinde einen
Friedhof ein, der heute noch existiert. Die Gemeinde wurde zusammen mit der
nahegelegenen jüdischen Gemeinde in Gross-Enzersdorf von einem Rabbiner,
der hauptamtlich in Wien tätig war, betreut. 1908 wurde die Stelle mit Dr.
Moses Rosenmann aus Floridsdorf besetzt, dem 1913 vermutlich Heinrich
Nürnberger folgte. Der letzte Rabbiner der Kultusgemeinde
Gänserndorf, der von 1921 bis 1938 tätig war, war Dr. Isidor
Friedmann.
Nach dem „Anschluss“ mussten die Gänserndorfer Juden
die Stadt verlassen. Die örtlichen nationalsozialistischen Machthaber
enteigneten die Synagoge und entfernten die zwei Davidsterne vom Gebäude.
Die ehemalige Synagoge wurde von den Nazis zweckentfremdet und für profane
Zwecke genutzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude der
Kultusgemeinde Wien als Rechtsnachfolgerin der Israelitischen Kultusgemeinde
Gänserndorf zurückgegeben. Im Jahre 1953 verkaufte die Israelitische
Kultusgemeinde Wien das Haus an die Stadtgemeinde Gänserndorf. Die
originale Gründerzeit-Fassade wurde umgestaltet. Heute ist die Musikschule
der Stadtgemeinde in dem Gebäude untergebracht. Am 9. Mai 2001 wurde eine
Gedenktafel am Gebäude der ehemaligen Synagoge enthüllt.
Literatur:
- Genée, Pierre, Synagogen in Österreich, Wien, 1992
- David, Jüdische Kulturzeitschrift in
Österreich
- Gänserndorfer Chronik
- Artikel in Die Gemeinde
- Moses, Leopold, Die Juden in Niederösterreich, Wien, 1935
- C. Lind, "Der letzte Jude hat den Tempel verlassen". Juden
in Niederösterreich 1938-1945. Hg. vom Institut für die Geschichte
der Juden in Österreich. Wien, 2004
Bahnstrasse
60 im Jahr 1992
Summary in
English:
Jews settled in
Gänserndorf in 1860, after the Austrian Ministry of Interior revoked a decree
forbidding Jews to live in the provinces. In 1869, the small but steadily
growing Jewish community established a temporary prayer house at 54, Hauptstraße.
As early as 1866, the community’s board had asked the larger Jewish community
in Vienna to provide a Torah scroll for the Gänserndorf prayer house.
In May 1884, Gänserndorf’s
Jewish congregation established a Minjanverein (Minyan Association) and
applied to the district authorities of Enzersdorf for permission to build a synagogue.
Building work on the structure at 60, Bahnstraße was
completed in 1890. Another prayer house was located in an area called Lassee.
Jews in two
neighboring villages belonged to Gänserndorf congregation: in the 1870s, approximately
130 Jews lived in Deutsch-Wagram, where they established a prayer house. The
Jews of Angern an der March, on the border with Hungary (after 1918, Slovakia), had no synagogue of their own. They therefore regularly attended the synagogue in
the Hungarian and later Slovak area called Ungareigen (later Uhorska Ves), which
was a few minutes away by foot.
The Gänserndorf Kultusgemeinde
(congregation) was officially founded as late as 1907. The Jewish cemetery,
still in existence today, was inaugurated in the same year. A rabbi, who spent
most of his working time in Vienna, catered to the spiritual needs of the
Jewish congregations in Gänserndorf and nearby Gross-Enzersdorf. Dr.
Moses Rosenmann, from Floridsdorf, took office in 1908. It appears that he was
succeeded by Heinrich Nürnberger. Dr. Isidor Friedmann, the last
Gänserndorf rabbi, served the community from 1921 until 1938.
After the Anschluss (the annexation of Austria by Germany),
the
Jews of Gänserndorf were forced to leave town. Local Nazis seized the synagogue
and removed its two Stars of David. The synagogue was desecrated and later used
for profane purposes.
After World War II, the
synagogue building was handed over to the post-war Jewish Congregation of Vienna,
the legal successors of the Gänserndorf community. The Viennese Jews sold
the former synagogue to the municipal authorities. On May 9, 2001, a commemorative plaque was affixed to the former synagogue.