IKG Gross-Enzersdorf
Kaiser Franz Joseph-Straße 11

1898
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Erbaut
Built
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1865
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Letzter Rabbiner
Last Rabbi
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Dr. Albert Schweiger (Mödling)
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Erste Erwähnung der Gemeinde
First
Mentioning of the Community
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1860
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Bezirke
Districts
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Essling, Markgrafneusiedl, Leopoldsdorf, Oberhausen,
Ober-Siebenbrunn, Orth, Raasdorf
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Anzahl der Gemeindemitglieder
Number of Community Members
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1932-220
1938-150
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Pogromnacht
Pogrom Night
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Beschädigt
Damaged
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1938-1945
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Enteignet und Magazin eingerichtet
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Nach 1945
After
1945
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1963 abgerissen
Demolished 1963
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Heute
Today
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Wohnhaus
Apartment Building
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(Kurz über Ansiedlung im Mittelalter)
Nach einer erzwungenen
Unterbrechung von vier Jahrhunderten konnten sich um 1860 wieder Juden in Gross-Enzersdorf
ansiedeln. Die ersten jüdischen Familien kamen aus Mähren. Ihnen
folgten weitere Familien aus Mähren, sowie aus der Slowakei,
Deutsch-Wagram, Böhmen und Galizien, so dass sich bald die Voraussetzungen
für geregelte öffentliche Gebete ergaben und es zur Gründung
eines Minjan-Vereins in Gross-Enzersdorf kam.
1865 errichtete die
Gemeinde eine große Synagoge in der Kaiser Franz Joseph-Straße. Es
entstand ein eindrucksvolles zweitürmiges Gebäude im neoromanischen
Stil. Die Gemeinde errichtete in der Wittauerstrasse zwischen den Orten
Enzersdorf und Oberhausen einen von einer Ziegelmauer umfassten Friedhof ein.
Zur Abhaltung der Begräbnisse und Pflege des Friedhofs wurde eine Chewra
Kadischa gegründet. 1898 konstituierte sich die Israelitische Kultusgemeinde
Gross-Enzersdorf offiziell.1920 riefen Gemeindemitglieder den Sportverein
Makkabi ins Leben. Als Rabbiner fungierten in der Kultusgemeinde
Gross-Enzersdorf Dr. Rosemann aus Floridsdorf und später Dr. Salomon Funk
vom Pazmanitentempel in Wien-Leopoldstadt. Dr. Albert Schweiger aus
Mödling amtierte als letzter Rabbiner in Gross-Enzersdorf.

1865
Nach dem Anschluss wurde
die jüdische Bevölkerung, die sich in den ländlichen Gebieten in
der Umgebung Gross-Enzersdorfs angesiedelt hatte, gezwungen, nach Wien zu
ziehen. Eigentum der Juden im Bezirk Gross-Enzersdorf wurde beschlagnahmt oder
gestohlen.
In der Pogromnacht am 10.
November 1938 beschädigten die Nazis die Synagoge schwer. Der
jüdische Friedhof wurde verwüstet. Dr. Karl Katz, Kulturvorsteher der
damaligen Israelitischen Kultusgemeinde Gross-Enzersdorf, berichtete
später:
”Gegen 3 Uhr früh
wurden wir Juden unter Gepolter und Fensterklirren von einer grossen Schar
hasserfüllter Nazis, unter der Führung des berüchtigten Willi
Bernt, aus den Betten gerissen, worauf eine völlige Plünderung
begann, wobei Bargeld, Schmuck und alles, was man mitnehmen konnte, gestohlen
wurde. Nachher wurden wir, 81 an der Zahl, in ein Seitenzimmer des
Gemeindegasthauses am Hauptplatz unter Beschimpfungen gröbster Art, zusammengetrieben.
Hier nahm man uns den letzten Pfennig ab, misshandelte Ing. Hugo Winkler
(ehemaliger Kulturvorsteher der Kultusgemeinde), und ich wurde auf Befehl des
hinterlistigen, wutschnaubenden Ober-Nazi Alexander Misziak vom Rotzbuben Mertl
ins Gesicht geschlagen. Ärger als Schlachtvieh lud man uns, Männer
und Frauen getrennt, auf zwei Lastautos und transportierte uns über Wien
in die Nähe der Ortschaft Winden am See im Burgenland. Hier lud man uns
Männer, Frauen, Kinder und Greise, Gesunde und Kranke, auf offener
Straße ab und mir wurde aufgetragen, mit der ganzen Schar
weiterzumarschieren und ja nie mehr nach Gross-Enzersdorf zurückzukehren.
Zufällig kamen zwei Gendarmen vorbei, die uns auftrugen, auf sie in der
Ortschaft zu warten. In Winden wurden wir von der Bevölkerung freundlich
empfangen und gut bewirtet. Nach der Rückkehr der Gendarmen brachten sie
uns mit Hilfe zweier Lastautos nach Wien, Morzinplatz, wo sie von der Gestapo
den Auftrag erhielten, uns nach Gross-Enzersdorf zu bringen, wo wir spät
abends ankamen. Ein schreiender, hasserfüllter, tobender, fanatisierter
Pöbelhaufen hatte uns bereits erwartet ... Doch plötzlich, nach 10
Uhr Nacht, trieb man uns auf zwei Lastautos, welche uns in das
Schulgebäude in der Karajangasse, Wien XX, brachten, wo man uns
Männer zurückhielt und die erschreckten, im Gemüt zerbrochenen
Frauen und Kinder wurden in den Kuhstall des Viehhändlers Neumann in
Gross-Enzersdorf No. 56 zurückgebracht, wo sie hungrig und hoffnungslos
auf eine Erlösung fünf volle Tage verbrachten. Sie durften ihre
Häuser niemals betreten und wurden nachher nach Wien vertrieben. Wir
Männer mussten durch eine von den SS-Raubmördern gebildete
menschliche Gasse unter Kolbenhieben und Stiefeltritten hindurch und bei der
“Aufnahme” alles, was wir noch besassen, Uhren, Ringe, Füllfedern der
Polizei ausfolgen. Alles aber verschwand für immer. Man presste uns in die
einzelnen Klassenräume zu Hunderten zusammen, worauf die übliche
Folter begann… Nach unmenschlichen, blutdürstigen “Verhören” wurden
nur wenige von uns entlassen, die meisten aber unter dem Zuruf “Dora” nach
Dachau gebracht. Wir durften nicht mehr nach Gross-Enzersdorf, wo man
inzwischen alle jüdischen Häuser plünderte und vollkommen bis
zum letzten Gegenstand ausraubte.” (in Hugo Gold, Geschichte der Juden in
Österreich, Tel Aviv, 1971)
Von den 150 Juden, die
1938 in Gross-Enzersdorf lebten, wurden 86 in den Gefängnissen und
Konzentrationslagern der Nazis ermordet. Die ehemalige Synagoge wurde
während des Zweiten Weltkrieges als Magazin genutzt und 1963 abgerissen. Heute
befindet sich auf dem Platz ein Einfamilienhaus.

Literatur:
- Genée,
Pierre, Synagogen in Österreich, Wien, 1992
- David, Jüdische Kulturzeitschrift
in Österreich
- Gold, Hugo, Geschichte
der Juden in Österreich, Tel Aviv, 1971
Summary in English: