IKG Hollabrunn
Winniwarter
Strasse 9
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Erbaut
Built
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Achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts
Eighties
of the 19th Century
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Letzter Rabbiner
Last Rabbi
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Dr. Moritz Rosenmann (Wien)
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Erste Erwähnung der Gemeinde
First
Mention of the Community
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1876
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Bezirke
Districts
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Göllersdorf, Grund, Hadres, Hangsdorf, Kalladorf,
Mailberg, Retz, Schöngrabern, Wullersdorf
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Anzahl der Gemeindemitglieder
Number of Community Members
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1938-420 (Kultusgemeinde)
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Pogromnacht
Pogrom Night
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nicht zerstört
not destroyed
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1938-1945
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Enteignet
Expropriated
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Nach 1945
After 1945
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Rückgabe an IKG Wien und Verkauf an Stadtgemeinde
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Heute
Today
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Wohnhaus
Apartment
building
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Im 17.
Jahrhundert existierte in Hollabrunn und dem
Umland eine jüdische Gemeinde. Zu jener Zeit lebten in Sitzendorf, das zu
diesem Kreis gehört, 11 jüdische Familien.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts,
nach der Aufhebung des Verbotes für Juden, in ländlichen Gebieten
Österreichs zu wohnen, zogen auch nach Hollabrunn wieder Juden. Diese
jüdischen Zuwanderer stammten hauptsächlich aus Böhmen. Die
neuentstehende jüdische Gemeinde gründete eine Chewra Kadischa und
kaufte 1876 ein Grundstück an der Strasse nach Sonnberg (heute
Steinfeldgasse), um einen Friedhof einzurichten. Zu diesem Zeitpunkt hatte die
Gemeinde noch den Status einer Israelitischen Kultusgenossenschaft und war der
Kultusgemeinde Horn angeschlossen. Erst 1901 konstituierte sich die
selbständige Kultusgemeinde Hollabrunn.
Bereits in
den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts errichtete die Gemeinde ihre Synagoge
in der Winniwarter Strasse 9. Der grosse Betsaal befand sich im gesamten ersten
Stock des Gebäudes. 1909 wurde das Areal des Friedhofs erweitert, was
darauf schliessen lässt, dass die Mitgliederzahl der Gemeinde in
Hollabrunn stetig zunahm. Ausserdem wurden ein neues Wohnhaus sowie eine
Zeremonienhalle auf dem Friedhof errichtet. Die Kultusgemeinde Hollabrunn wurde
von Rabbinern aus anderen Städten betreut. Der letzte zuständige
Rabbiner der Gemeinde vor deren Zerstörung 1938 war Dr. Moritz Rosenmann
aus Wien-Floridsdorf.
Mit dem
“Anschluss” im März 1938 kam es auch in Hollabrunn zu umfassenden
Demütigungen und Misshandlungen der jüdischen Bevölkerung. Die
Nazis enteigneten den Besitz der Juden sowie die Synagoge in der Winniwarter
Strasse. Im September 1938 mussten alle Juden Hollabrunn verlassen. Diejenigen,
die nicht sofort ins Ausland flüchten konnten, zogen nach Wien, von wo aus
die Juden, welche nicht mehr ausreisen konnten, in die Konzentrationslager
deportiert wurden.
Nach dem
Zweiten Weltkrieg wurde die ehemalige Synagoge der Israelitischen
Kultusgemeinde Wien zurückgestellt, die das Haus an die Stadtgemeinde
Hollabrunn verkaufte. Diese baute das Gebäude zu einem Wohnhaus um.

Winniwarter Strasse 9 im Jahr 1989
(Strassenansicht)
Literatur:
- Genée,
Pierre, Synagogen in Österreich, Wien, 1992
- Gold, Hugo, Geschichte
der Juden in Österreich, Tel Aviv, 1971
- Gollonitsch,
Ulrike, “Als wär’ nichts geschehen” Die jüdische Gemeinde
in Hollabrunn, Wien, 1990 – Eberl, G., ‚Die Israelitische Kultusgemeinde
Horn und die Geschichte des
provisorischen Bethauses in Retz’, in Das Waldviertel Heft 3/1993
Summary in English:
A Jewish community existed in Hollabrun
and its environs in the 17th century. At that time, 11 Jewish
families lived in Sitzendorf which was part of the
same district.
In the mid-19th century, after the ban on Jews
living in the Austrian provinces of Austria had been lifted, Jews moved
back to Hollabrunn. The majority of the newcomers
hailed from Bohemia.
The fledgling Jewish congregation founded a chevra kadisha (burial
society) and, in 1876, bought a plot of land for a cemetery on the road to Sonnberg. At that
time the community still had the status of a Kultusgenossenschaft
(Jewish association) which was affiliated to the larger Kultusgemeinde (Jewish
congregation) of Horn. It was only in 1901 that the independent Kultusgemeinde
of Hollabrunn was established.
The synagogue was erected at 9, Winniwarter
Straße as early as the 1880s.
Its great prayer hall took up the entire first floor of the
building. The extension of the Jewish cemetery in 1909 indicates that there had
been a steady increase in membership of the Hollabrun
congregation.
The community was served by rabbis from other congregations.
Dr. Moritz Rosenmann from Vienna-Floridsdorf
was the last rabbi to serve in Hollabrun before the
community’s destruction in 1938.
In the wake of the “Anschluss” (annexation
of Austria
by Germany)
in 1938, general humiliation and maltreatment of the Jewish population took
place in Hollabrunn. The synagogue and all Jewish
property were expropriated. In September 1938, all Hollabrun’s
Jews were forced to leave town. Those who could not flee abroad immediately moved
to Vienna, some
of them did not manage to emigrate and were eventually deported to the concentration
camps.
After World War II, the former synagogue was returned to the post-war
Kultusgemeinde of Vienna,
which sold the building to the Hollabrunn town
council. The council converted the former synagogue into a residential
building.

Winniwarter Strasse 9 im Jahr 1989
(Gartenansicht)